Antiemetika

    Aus Medizin-Lexikon.de

    Antiemetika lautet der Überbegriff für eine Gruppe von Wirkstoffen, die gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt werden. Sie sind somit Bestandteil einer symptomatischen Therapie, da sie lediglich die Beschwerden bekämpfen. Die Ursache bleibt von den Arzneimitteln unberührt. Die Wirkungsmechanismen sind dabei sehr unterschiedlich, da die Medikamente dieser Wirkstoffgruppe sehr inhomogen sind.

    Indikationen für Antiemetika

    Antiemetika werden für alle Zustände bzw. Erkrankungen eingesetzt, in denen es zu ständiger Übelkeit und Erbrechen kommt. Bekannte Beispiele hierfür sind:

    • Schwangerschaftsbedingte Übelkeit
    • Reisekrankheit
    • Postoperative Übelkeit und Erbrechen (PONV)
    • Übelkeit und Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie
    • Vorbeugen von Übelkeit und Erbrechen

    Verschiedene Wirkstoffe

    Der Begriff Antiemetika beschreibt nicht eine homogene Wirkstoffgruppe, sondern bezieht sich eher auf den therapeutischen Effekt – die Verhinderung und Vorbeugung von Übelkeit und Erbrechen. Tatsächlich besteht diese Gruppe aus völlig unterschiedlichen Medikamenten, die verschiedene Wirkungsmechanismen haben:

    • Neuroleptika
    • Antihistaminika
    • Anticholinergika
    • Kortikoide
    • Benzodiazepine
    • Sauerstoff
    • Setrone
    • Prokinetika
    • Neurokinin-1-Rezeptorantagonisten
    • Antivertiginosa
    • Dopamin-Rezeptorantagonisten
    • Vitamine B

    Eine Auswahl an Wirkungsmechanismen

    Antihistaminika

    Diese Wirkstoffe werden vorwiegend bei Übelkeit und Erbrechen im Rahmen der Reisekrankheit eingesetzt. Sie nehmen Einfluss auf die neuronalen Bindungsstellen von Histamin und Muscarin. Sie führen zwar häufig zu Müdigkeit, lindern aber effektiv die lästigen Beschwerden.

    Prokinetika

    Dieses Medikament fördert die Vorwärtsbewegung des Magens und lindert hierdurch die Gefahr des Erbrechens.

    Dopamin-Rezeptorantagonisten

    Dopamin-Rezeptorantagonisten blockieren die Nervenübertragungsstellen in der Area postrema des Gehirns. Hier sitzt jene Region, die für das Erbrechen zuständig ist. Der Nachteil hierbei ist, dass sie gegen die Reisekrankheit wirkungslos sind, da hier die Ursache für die Übelkeit und Erbrechen in einer Fehlinformation zwischen Augen und Gleichgewichtssinn liegt. Auch sind die Nebenwirkungen mitunter unangenehm. Sie ähneln der Parkinsonschen Krankheit. Bestimmte Arzneimittel dieser Wirkstoffgruppe werden gegen postoperative Übelkeit angewendet.

    Kortikoide

    Kortikoide, auch Glukokortikoide genannt, verringern Übelkeit und Erbrechen wirkungsvoll. Welcher pharmakologische Mechanismus dahintersteht, ist bislang unbekannt.

    Vitamin-B-Präparate

    Speziell Vitamin B6 hilft bei Schwangerschaftserbrechen. Ebenso wie bei Kortikoiden ist der Wirkungsmechanismus nicht bekannt. Neben den vermeintlich harmlosen Einsatzgebieten wie der Reisekrankheit haben Antiemetika auch eine herausragende Bedeutung in der palliativmedizinischen Betreuung von Krebspatienten. Sowohl die Tumorerkrankung selber als auch die Chemotherapie lösen bekanntermaßen große Übelkeit aus.

    Medikamente mit anderer Indikation

    Neben Medikamenten mit der Indikation Übelkeit und Erbrechen gibt es auch Wirkstoffe, die zwar für eine andere Hauptindikation zugelassen sind, aber einen ausgeprägten antiemetischen Effekt aufweisen. Typische Beispiele hierfür sind:

    • Mirtazapin (Antidepressivum)
    • Haloperidol (Neuroleptikum)
    • Lorazepam (Benzodiazepin)
    • Dexamethason (Glukokortikoid)