Bulimie

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    seelisch bedingte Essstörung, die v.a. bei jungen Frauen und in zunehmendem Ausmaß auch bei jungen Männern auftritt. Sie äußert sich durch wiederkehrende Phasen von Heißhunger mit Essattacken und anschließendem Erbrechen. Auslöser ist eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, der nicht den Idealen der Gesellschaft oder des Betroffenen entspricht. Oft geht eine Bulimie mit einer Anorexia nervosa einher. Da an Bulimie Erkrankte oft ein besseres Krankheitsbewusstsein als Anorektiker haben und auch meistens Normalgewicht, sind die Heilungschancen hier besser. Die Behandlung erfolgt durch Erlernen normalen Essens mit Ernährungsplänen und begleitender Psychotherapie, die das Körperbild und das Selbstbewusstsein stärken soll.

    Folgen einer Bulimie

    Die Folgen dieser Erkrankung betreffen sowohl das körperliche Wohl, als auch die soziale Integrität des Patienten. Viele Betroffene sind so sehr auf die Thematik des Essens konzentriert, dass Freundschaften, Partnerschaften oder familiäre Verbindungen reduziert werden oder im Extremfall komplett zum Erliegen kommen. Letztendlich stellt der übermäßige Konsum von Nahrungsmitteln mit anschließender Herbeiführung von Erbrechen einen solchen Einschnitt in das normale Tagesgeschehen dar, dass alleine der Gedanke an diese Ereignisse Angst bei den Betroffenen auslösen können. Diese Angst bezieht sich dabei insbesondere auf das Zeigen in der Öffentlichkeit und der genannte Kontakt zu den Mitmenschen. Werden sämtliche soziale Kontakte durch die Bulimie verringert oder eingestellt fühlt der Patient sich zunehmend einsam, was den ohnehin schon schlechten psychischen Zustand verschlimmert. Die zunehmende Depressivität bedingt eine weitere Verschärfung des Essverhaltens. Ein Teufelskreis beginnt, der nur durch professionelle Hilfe beendet werden kann. Weitere psychosoziale Folgen sind:

    • Autoaggressivität (Patient verletzt sich selber)
    • Kaufsucht
    • Ladendiebstahl
    • Ablehnung von Sexualität
    • Missbrauch von Drogen, Alkohol und Tabak

    Insbesondere letzterer Punkt fügt dem Organismus bekannterweise Schäden zu. Die Bulimie selber verursacht ebenfalls diverse körperliche Probleme. So führt das häufige Erbrechen durch die enthaltene Magensäure zur Reizung von Speiseröhre, Mundhöhle und Zähnen. Die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre wird, ähnlich wie beim Sodbrennen, dauerhaft gereizt und kann sich entzünden. Findet diese chemische Reizung durch Salzsäure weiterhin statt besteht die Gefahr, dass sich das bestehende Epithel umwandelt und sich schlussendlich zu einem Speiseröhrenkarzinom entwickeln kann – einer der aggressivsten Krebsarten. Gleiches gilt für die Schleimhäute der Mundhöhle. Bulimie-Patienten erleiden häufig schwere Zahnschäden bis hin zum Ausfall des Kauwerkes. Auch dies ist der ständigen Angriffe durch Magensäure geschuldet. Weitere körperliche Auswirkungen sind:

    Wie wird eine Bulimie behandelt?

    Im Vordergrund steht hier die psychotherapeutische Begleitung, häufig in Form einer Gruppentherapie. Der Patient soll erlernen, der Nahrungsaufnahme nicht mehr eine solch allumfassende Bedeutung beizumessen. Er soll aufhören, Lebensmittel bis ins kleinste Detail in Bezug auf Schaden und Nutzen hin zu analysieren und im Gegenzug seine Einstellungen zu Nahrungsmitteln normalisieren. Die Selbstwertschätzung soll gesteigert werden und letztlich muss der Betroffene lernen, wieder ein normales Essverhalten zu praktizieren. Unterstützend, insbesondere im Hinblick auf die oft begleitende Depression, können Antidepressiva sinnvoll sein. Besonders Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer haben sich bewehrt.