Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Haarausfall

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    Auch wenn heute Männer freiwillig eine Glatze tragen: Wenn die eigene Haarpracht zur Neige geht, ist das für viele Männer aber auch Frauen mit einer großen psychologischen Belastung verbunden. Denn die bis zu 150.000 Haare auf dem Kopf dienen nicht nur dem Schutz, sondern sind auch eine Art modisches Accessoire: Sie werden geschnitten, getönt und gestylt. Eine gute Frisur wirkt attraktiv und souverän. Im Folgenden werden die wichtigsten Fragen zum Thema Haarausfall (Alopezie) erörtert.

    Ist Haarausfall immer ein Grund zur Sorge?

    Nein, ein gewisser Haarausfall ist sogar normal. Der Mensch verliert alleine am Kopf rund 70 bis 100 Haare jeden Tag. Diese werden aber rasch ersetzt und obwohl die Zahl 100 sich sehr groß anhört, fällt eine solch geringe Reduktion optisch keineswegs auf. Nur wenn die Haare in sehr großen Mengen ausfallen, liegt möglicherweise ein pathologischer Haarausfall vor.

    Was sind die Gründe für Haarausfall?

    Neben dem o. g. physiologischen Haarausfall gibt es zahlreiche weitere Ursachen. Anhand dieser werden verschiedene Formen unterschieden:

    • Androgenetischer Haarausfall: Dabei handelt es sich nicht um eine Erkrankung, sondern um eine normale Form im fortgeschrittenen Lebensalter. Durch Veränderungen im Hormonhaushalt (Androgene = Hormone, welche die Ausprägung der männlichen Geschlechtsmerkmale steuern) verringert sich bei etwa 80 Prozent der Männer die Anzahl der Haare. Auch jede zweite Frau ist – wenn auch meist schwächer – nach der Menopause betroffen.
    • Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Wie der Name verrät, kommt es zu runden, haarlosen Arealen auf dem Kopf. Meistens findet sich keine konkrete Ursache. Als Auslöser werden Stress, Autoimmunreaktionen und genetische Komponenten vermutet.
    • Diffuser Haarausfall (telogenes Effluvium): Aus unterschiedlichsten Gründen tritt diese Form des Haarausfalls vor allem bei Frauen auf. Die Haare fallen dabei vom gesamten Kopf ab. Ursachen sind u. a.:
      • Hormonschwankungen
      • Eisenmangel
      • Infektionen
      • Essstörungen
      • Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus)
      • etc.
    • Arzneimittelbedingter Haarausfall: Hierbei entsteht der Haarausfall durch bestimmte Medikamente. Bekanntestes und wohl extremstes Beispiel ist eine Chemotherapie mit Zytostatika.
    • Zahlreiche weitere, seltene Formen

    Wie wird Haarausfall diagnostiziert?

    Die Verdachtsdiagnose erfolgt anhand der Erscheinungsform, weiterführende Untersuchungen bringen die genaue Form ans Licht. Mittels Bluttest können etwaige Hormonveränderungen oder Mangelerscheinungen nachgewiesen werden. Ein Trichogramm ermöglicht die Schweregradbestimmung. Nur selten ist zusätzlich eine Haarbiopsie angezeigt.

    Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

    Diese richtet sich nach der Ursache bzw. Art des Haarausfalls. Oftmals müssen auch verschiedene Therapien kombiniert werden, um eine ausreichende Wirkung zu erzielen. Bei Frauen und Männern hat sich beim Androgenetischen Haarausfall der Wirkstoff Minoxidil bewährt. Der genaue Wirkungsmechanismus ist unbekannt. Vermutlich wird die Durchblutung der Haarwurzeln stimuliert. Finasterid – ursprünglich gegen die benigne Prostatahyperplasie entwickelt – hemmt die Umwandlung von Testosteron in das haarausfallfördernde Dihydrotestosteron (DHT) und kann bei Männern den Haarausfall stoppen und kräftigere Haare nachwachsen lassen. Kreisrunder Haarausfall wird durch Kortison gelindert, diffuser Haarausfall durch die Behandlung der Grunderkrankung. Nach einer Chemotherapie wachsen die Haare häufig wieder normal nach. Ultima Ratio ist eine Haartransplantation.

    Wie funktioniert eine Haartransplantation?

    Eine Haartransplantation wird bei verschiedenen Formen des Haarausfalls angewendet, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten nicht oder zu wenig wirken. Die häufigste Variante ist die Eigenhaartransplantation, bei der ein plastischer Chirurg einen Haarstreifen samt Wurzeln aus dem Hinterkopf entnimmt und auf den primär haarlosen Stellen einsetzt. Die transplantierten Haare fallen zunächst aus, während die Haarwurzeln festwachsen, um einige Zeit später erneut Haare sprießen zu lassen. Alternativ hierzu entfernen Ärzte vereinzelte Haarwurzel-Partikel aus verschiedenen Stellen am Körper, um sie an der "kahlen" Stelle neu einzupflanzen. Manchmal wird auch Spenderhaar verwendet. Der Eingriff erfolgt i. d. R. ambulant.

    Quellenangaben