Geschlechtsdisposition
Aus Medizin-Lexikon.de
Ausdruck für die Stärke der geschlechtlichen Gebundenheit von Merkmalen, steht im Zusammenhang mit typischen Geschlechtsunterschieden. Alle Merkmale, deren zugehörige Gene auf dem X- oder Y-Chromosom lokalisiert sind, werden geschlechtschromosomengebunden vererbt. Rezessive Erbanlagen auf dem X-Chromosom setzen sich wesentlich häufiger beim männlichen als beim weiblichen Geschlecht durch, da kein gesundes dominantes Gen auf einem zweiten X-Chromosom zur Verfügung steht. Beispiele dafür sind die Bluterkrankheiten und die Rot-Grün-Blindheit, deren genetischer Ursachen näher erläutert werden sollen. Nach Wald sind drei verschiedene Gene für die Spezifität der drei Sehfarbstoffe verantwortlich. Die Gene für den rot- und den grünempfindlichen Sehfarbstoff sind auf dem X-Chromosom lokalisiert und werden rezessiv geschlechtschromosomengebunden vererbt. Auf dem Fehlen beider Sehfarbstoffe beruhen die Protanopie (Rotblindheit) und Deuteranopie (Grünblindheit), die viel häufiger bei Männern als bei Frauen auftreten. Da der Mann nur ein X-Chromosom hat, ist er farbenblind, wenn sein X-Chromosom das Gen für Protanopie oder Deuteranopie enthält, während die genannten rezessiven Gene im weiblichen Geschlecht in beiden X-Chromosomen vorhanden sein müssen, um das Krankheitsbild zu erzeugen. Durch nur ein normales dominantes Gen kann ein weibliches Individuum zwar alle Farben unterscheiden, jedoch die Krankheit weitervererben.
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