Knochen

    Aus Medizin-Lexikon.de

    (Os, Plural: Ossa)

    Allgemeines

    Knochen sind feste Skelettanteile von Lebewesen aus phosphorsaurem und kohlensaurem Kalk sowie aus einer leimgebenden organischen Substanz. Der Knochen ist von der Knochenhaut (Periost) überzogen, von der aus er mit Gefäßen durchsetzt und ernährt wird. Im Inneren der so genannten Röhrenknochen befindet sich das fettreiche, gelbliche Knochenmark, die flachen, kurzen Knochen enthalten blutbildendes, rotes Knochenmark.

    Das menschliche Skelett besteht aus etwa 220 Knochen.

    Das Knochengewebe

    Das Knochengewebe ist ein lebendes Gewebe, das ständig umgebaut wird. Es ist mehr als doppelt so schwer im Vergleich zu anderen Gewebearten. Daher versucht der Körper, in einer "Leichtbauweise" mit möglichst wenig Knochengewebe auszukommen (Beispiel: Röhrenknochen).

    Neben dem überwiegenden Anteil von Knochengewebe innerhalb der Knochen findet man fett- und blutbildendes Gewebe im Bereich des Knochenmarks, straffes Bindegewebe an der Knochenhaut, Knorpel in den Wachstumszonen und an den Gelenkenden und elastisches Bindegewebe in der Wand der Blutgefäße. Außerdem findet eine Versorgung des Knochens über die Nerven statt.

    Knochengewebe besteht aus Knochenzellen (Osteozyten), einer Knochengrundsubstanz, die man gemeinsam mit den kollagenen Fibrillen als Interzellularsubstanz (Osteoid) bezeichnet sowie aus verschiedenen Salzen, die für Festigkeit und Härte des Knochens sorgen. Wichtigste Salze sind unter anderem Kalziumphosphat, Magnesiumphosphat, Kalziumkarbonat. Hat ein Knochen auf Grund von Vitaminmangel oder hormonellen Störungen eine zu geringe Kalkbildung, wird er biegsam (z.B. Rachitis). Nicht allein die Salze sorgen für die Festigkeit eines Knochens, sondern auch die organischen Bestandteile, also die kollagenen Fibrillen. Sind davon zu wenig vorhanden, wird der Knochen brüchig; seine Elastizität lässt nach.

    Je nach Anordnung der Fibrillen kann man zwischen geflechtartigen Knochen und Lamellenknochen unterscheiden:

    a)Geflechtartige Knochen kommen eigentlich nur während der Entwicklungsphase des Menschen vor. Hier verlaufen die Kollagenfasern und Blutgefäße ungeordnet und entsprechen etwa einem verknöcherten Bindegewebe. Geflechtartige Knochen findet man beim Erwachsenen noch in der Nähe der Schädelknochennähte und in der Labyrinthkapsel des Ohres.

    b)Bei Lamellenknochen lagern rund um einen Gefäßkanal (Canales centrales) Schichten von parallel verlaufenden kollagenen Fibrillen, die man als Lamellen bezeichnet. Sie wechseln sich mit Knochenzellen ab. Dazwischen sind Kalzium- und Magnesiumphosphatkristalle eingelagert. Ein Gefäßkanalsystem mit seinen Lamellen wird als Havers-System oder Osteonum bezeichnet. Die Dicke der kollagenen Fasern ist unterschiedlich. Auf eine etwas dünnere, linksspiralig angeordnete Faser folgt eine etwas dickere, rechtsspiralig angeordnete Faser, was zu einer Zunahme der Festigkeit führt.

    Je nach Belastung eines Knochens werden kleine Knochenbereiche von knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) zerstört, dafür aber von knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten) so umgebaut, dass sie besonderen Beanspruchungen gewachsen sind.

    Knochenerkrankungen

    a) der Knochenbruch (Fraktur), die gewaltsame Trennung lebender Knochen;

    b) die Knochenerweichung (Osteomalazie) als Folge ungenügender Kalkzufuhr;

    c) die Knochenhautentzündung (Periostitis) als Folge der Verletzung der Knochen und der benachbarten Weichteile;

    d) die Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis) durch das Eindringen von Eitererregern aus dem Blut;

    e) Knochentuberkulose (Ostitis tuberculosa) durch das Eindringen von Tuberkelbakterien in die Knochen.