Lösungsmittelvergiftung
Aus Medizin-Lexikon.de
Viele technisch sehr wichtige Stoffe, z.B. Farben, Lacke, Harze, Kleber, Polituren, Reinigungs- und Extraktionsmittel, Gefrierschutzmittel und Gummilösungen, enthalten als flüssigen Bestandteil Lösemittel, die bei aller chemischen Verschiedenheit das Lösungsvermögen für organische Stoffe und fast durchweg ein ausgesprochenes Fettlösungsvermögen gemeinsam haben. Die meisten dieser organischen Lösemittel sind mehr oder weniger stark gesundheitsgefährdend. Viele von ihnen reizen Haut und Schleimhäute. Vor allem wegen ihrer fettlösenden Wirkung können sie auch die Voraussetzungen für die Entstehung von chronischen Hautschäden (Ekzem) schaffen. Verschiedene Lösemittel haben eine spezifische Giftwirkung, z.B. schädigt Benzol besonders das Knochenmark, der Schwefelkohlenstoff das Nervensystem, Ester reizen meist die Schleimhäute.
Mit der fettlösenden Wirkung der organischen Lösemittel hängt auch zusammen, dass sie meist mehr oder weniger starke potenzielle Narkosemittel sind. Unter ungünstigen Umständen (große Verdunstungsflächen, kleine Arbeitsräume, schlechte Entlüftung) können sie alle Stadien einer Narkose von Kopfscherz und Benommenheit und vom "Aufgekratztsein" bis zur tödlich endenden Bewusstlosigkeit bewirken. Am häufigsten sind die Erscheinungen, die als "Katersyndrom" bekannt sind, mit Übelkeit, Appetitlosigkeit, Brechreiz, Schwäche, Benommenheit und Kopfschmerzen. Sie kommen in Räumen mit einem stärkeren Lösemittelgehalt recht häufig vor und verschwinden meist auf dem Heimweg oder über das Wochenende, können aber nach langer Gefährdungszeit dauernd als Zeichen einer organischen Schädigung des Zentralnervensystems bestehen bleiben. Sie sind je nach Art des Lösungsmittels, nach der Intensität der Gefährdung und der persönlichen Empfindlichkeit des Betroffenen verschieden stark.
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