Tabletten teilen ist nicht ungefährlich
Aus Medizin-Lexikon.de
Ungefähr ein Drittel aller Patienten teilt regelmäßig seine Tabletten, das ergab eine holländische Studie. Dass das nicht ungefährlich ist, wissen aber wahrscheinlich die wenigsten. Überdosierung oder Verlust der Wirksamkeit sind nicht selten die Folge.
Gründe, Tabletten zu zerteilen, gibt es viele: Vor allem Kinder und ältere Menschen brauchen oft eine niedrigere Dosierung, in der die Tabletten aber unter Umständen nicht erhältlich sind. Oder aber sie haben Probleme damit, besonders große Tabletten auf einmal zu schlucken. Andere Patienten stehen vor dem Problem, dass ihre Behandlung eine ein- oder ausschleichende Therapie vorsieht, also eine langsame Erhöhung oder Verminderung der Dosis.
Nicht zuletzt geht es für viele aber auch einfach um die Kosten: Häufig sind Tabletten mit höherer Dosierung vergleichsweise um einiges günstiger als diejenigen mit der eigentlich notwendigen Dosierung. Patienten und Ärzte sehen sich daher gezwungen, vor allem bei chronischen Erkrankungen die günstigere Variante des Tablettenteilens zu wählen.
Die Risiken sind allerdings beträchtlich. Nicht alle Tabletten sind dazu geeignet, geteilt zu werden. Oft sind sie mit einer Schutzhülle überzogen, die sie gegen Umwelteinflüsse wie Licht, Sauerstoff oder Feuchtigkeit schützt. Werden sie auseinandergebrochen, geht der Schutz verloren und der Wirkstoff kann unwirksam werden.
Ebenso ungeeignet sind magensaftresistente Tabletten: Bei ihnen verhindert ein äußerer Film, dass die Magensäure die Tablette zersetzt, bevor der Wirkstoff die Blutbahn erreicht. Wird der Film zerstört, ist das Medikament unwirksam. Bei so genannten Retard-Tabletten hingegen besteht die Gefahr einer Überdosierung. Ihre Hülle sorgt dafür, dass der Wirkstoff erst allmählich an den Körper abgegeben wird. Ist sie nicht intakt, wird der Stoff in einem Schub freigesetzt, was zur Überdosierung führt.
Magensaftresistente und Retard-Tabletten dürfen also in keinem Fall geteilt werden, es sei denn, es handelt sich um so genannte „Multiple Units“, also Tabletten, die aus einzelnen Granulaten oder Teilchen zusammengesetzt sind, bei denen jedes einzelne über eine eigene Hülle verfügt.
Wie aber erkennt man, ob eine Tablette nun zum Teilen geeignet ist oder nicht? Wichtig ist vor allem: Eine Bruchrille auf der Tablette ist kein sicherer Indikator dafür, da es auch reine „Schmuck-Rillen“ gibt. Auch auf die Packungsbeilage kann man sich nicht verlassen. Eine Studie der Universität Heidelberg ergab, dass in nur 36 Prozent aller Tabletten, die nicht geteilt werden dürfen, dies auch im Beipackzettel vermerkt war. Sicher sein kann man sich auf diesem Weg also nur, wenn ausdrücklich „nicht teilbar“ in der Packungsbeilage steht oder wenn in der Dosierungsangabe explizit von halben oder viertelten Tabletten die Rede ist.
In den meisten Fällen ist es also notwendig, beim Arzt nachzufragen. Doch selbst, wenn der grünes Licht gibt, ist das Teilen der Tabletten nicht ohne Risiko. Denn die kleinen harten Dinger lassen sich selten genau in der Mitte spalten. Die richtige Dosierung ist dadurch nicht mehr gewährleistet. Helfen kann hier ein „Tablettenteiler“ aus der Apotheke, ein kleines Gerät, das die Tablette sauber auseinander schneidet. Manche Apotheken bieten ihren Kunden auch an, die Tabletten vor Ort für sie zu teilen.
Copyright: Rainer Sturm / pixelio.de
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