Arztserien: Helfer bei der Gesundheitsaufklärung?

Arztserien erfreuen sich einer immer größeren Beliebtheit. Mit großen Emotionen und real scheinenden Inhalten warten sie auf, verzaubern den Zuschauer für einen kurzen Moment und münden in den meisten Fällen in einem Happy End, das seinesgleichen sucht. Die Zuschauer der Arztserie schlüpfen in die Rolle der Angehörigen, die vor dem OP-Saal um ihre Lieben bangen. Obwohl man (zum Glück) nicht selbst betroffen ist, leidet man mit und hofft inständig, dass Herztransplantation und Co. erfolgreich verlaufen.

Besonders spannend sind immer die Operationen

Die Helden in Weiß werden uns mitsamt zwischenmenschlichen Beziehungen präsentiert; diese Serien bedienen alle Emotionen und sind dementsprechend erfolgreich. Und das Spannendste ist doch immer die Operation. Der finale Eingriff, in dem der Patient mindestens einmal kurz stirbt und wiederbelebt wird, wo mit Fachwörtern nur so um sich geschmissen wird und der OP-Saal die herzzerreißende Situation mit giftgrünen Elementen untermalt. Wenn man dann die Arztserie oft genug gesehen hat, beherrscht man diese Fachwörter ebenfalls irgendwann, verwendet sie mal ernst, mal scherzhaft, wenn auch die wirkliche Bedeutung nicht immer bekannt ist. Doch dafür gibt es schließlich Google sowie diverse medizinische Websites und Lexika, die einem erklären, was eigentlich eine Dysplasie, ein Aneurysma oder eine Laparoskopie ist. Doch hier ist Vorsicht geboten: Das könnte die Serie entzaubern!

Ein kurzer Blick und schon hat man sie erklärt: die Fachbegriffe aus der Lieblingsbeschäftigung eines Dienstagabends. Und mit diesen kann jetzt auch richtig aufwarten: Was vorher noch irgendeine Maske war, ist jetzt ganz klar eine FFP2-Maske. Oder wo zuvor ein paar Knochen im Körper waren, sind es jetzt natürlich – je nach Quelle – 206 bis 212. Weiß man doch. Wenn man nachließt.

Der Fortschritt in der realen Medizin

Doch es gibt so viel mehr rund um das Thema Ärzte und ihr Können zu erfahren. So schreitet die Forschung beim Nachahmen der Natur immer weiter fort. Haare können immer realistischer nachgebildet, Zähne immer effektiver gefüllt werden. Hilfreich wäre dabei, wenn sich Menschen zunehmend wirklich für die Medizin und ihre Vorgänge interessieren würden – auch außerhalb der Krankenhaus-Soap. Durch mehr medizinisches Wissen in der Gesellschaft wäre es leichter, Risikogruppen – unabhängig von Ausnahmesituationen – zu schützen und das Leben von vielen Menschen nachhaltig zu verbessern und vielleicht sogar zu verlängern. Dies zum Beispiel durch das dauerhafte Tragen von Masken in der Grippezeit oder – noch viel wichtiger – in der aktuellen Coronakrise. Durch das Coronavirus werden Masken immer beliebter, nicht zuletzt durch die Maskenpflicht. Denn wenn jeder Mensch einen solchen Mund-Nasen-Schutz trägt, werden alle besser vor der Krankheit COVID-19 geschützt – darin sind sich die meisten Experten mittlerweile einig.

Auf diese Weise kann jeder von uns Verantwortung übernehmen. Es wird möglich, das Leben ganz normal weiterzuleben bzw. wieder hochzufahren, sobald das Coronavirus abflacht. Wenn dieser Zustand erreicht ist, ist es uns allen wieder möglich, mit der Bahn zu fahren, Filme im Kino zu genießen und der Arbeit im Büro nachzugehen.

Die Akzeptanz für Kranksein erhöhen

Ob durch eine Arztserie oder echte medizinische Informationen – es wäre ein voller Erfolg, wenn die Akzeptanz für „krank sein“ in der Bevölkerung erhöht würde. Dann hätte zum Beispiel das Arbeiten mit einer Grippe – was die Genesung bekanntermaßen erschwert und die Kollegen gefährdet – endlich ein Ende. Und wenn es noch viel besser laufen würde, könnte man sogar die Akzeptanz für psychische Krankheiten erhöhen. Denn nach wie vor ist es so, dass beispielsweise Depressionen in weiten Teilen der Bevölkerung nicht als Krankheit wahrgenommen werden. Ob Arztserie, medizinische Vortrag oder Informationen aus dem Internet: Hier ist alles willkommen, was das Bewusstsein für psychische Erkrankungen schärft. Depressionen, Schizophrenie und Angststörungen sind Erkrankungen wie der Herzinfarkt und die Darmentzündung! Spektakuläre Operationen – wie in den bekannten Sendungen – würden hier allerdings entfallen.

Auch den eigenen Körper genauer kennenlernen

Um Krankheiten, Unverträglichkeiten oder Allergien rechtzeitig zu bemerken, müssen wir alle unseren Körper kennenlernen. Erst dann haben wir die Möglichkeit, sie mit ärztlicher Hilfe zu bekämpfen. Manche haben diesen Prozess innerhalb der Kindheit und der Jugend schon fast abgeschlossen, andere brauchen dafür länger. Doch nur wenn wir wissen, wie sich unser Körper wann wie verhält und was wir tun können, damit er sich anders verhält, können wir selbst darauf kommen, dass uns etwas fehlt. Denn nur dann gehen wir zum Arzt. Und nur so bleiben wir gesund – sowohl physisch als auch psychisch. Und können uns trotz Spannung bei der Arztserie entspannt zurücklehnen.

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