Computersucht: Flucht aus der Offline-Welt

    Aus Medizin-Lexikon.de

    Die Augen tränen, die Hände zittern. Freunde haben sich längst resignierend abgewandt und das Gefühl für Zeit existiert nicht mehr. Das Leben spielt sich nur noch am PC ab. Geburtstage, Arbeitszeiten und Verabredungen sind zweitrangig. Computersucht ist mehr als „gerne mal ein paar Stunden am PC zocken“. Lange nicht jeder, der viel vor dem PC sitzt, ist auch süchtig. Wenn aber das ansonsten segensreiche elektrische Gerät zum Mittelpunkt des Lebens wird, soziale Kontakte immer weniger werden und ein Tag ohne PC einer Tortur gleicht, dann wird es höchste Zeit zu handeln. Eine Computersucht tritt selten grundlos auf: Oft erscheint dem Betroffenen die Offline-Welt als Bedrohung oder als nicht mehr lebenswert. Er flüchtet sich in eine Welt jenseits der Alltagsprobleme. Der Computer entwickelt sich vom treuen Helfer zum Zentrum des Lebens.

    Von Single-Portal zum Kriegsspiel – Computersucht kennt keine Altersgrenze

    Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass nur Jugendliche und junge Erwachsene der Online-Welt verfallen. Zwar ist ihr Anteil verhältnismäßig hoch, aber auch ältere Menschen suchen den Kontakt zur multimedialen Welt. Letztere tun es oft aus Einsamkeit. Da liegt es nahe, dass betagte PC-Nutzer besonders häufig den Service einer Partnerbörse nutzen. Die jungen User zieht es dagegen eher auf soziale Netze wie Facebook oder wer-kennt-wen.

    Es wird schnell erkennbar, dass die Computersucht viele Facetten besitzt. Neben den genannten sozialen Netzen und Partnerbörsen besteht bei anderen Betroffenen eine besondere Affinität zu pornografischen Seiten, zu Gewaltspielen oder zu Shopping-Seiten. Allen gemeinsam ist der unstillbare Drang nach der Beschäftigung mit dem Computer.

    Gründe im persönlichen Umfeld suchen

    Es macht wenig Sinn als Angehöriger die Schuld für alles Übel dem Internet und seinen teilweise ausufernden Facetten zu geben. Keiner wird ohne Grund süchtig nach der multimedialen Welt. So ist es kaum hilfreich, Computer, Spielkonsolen und weitere technische Errungenschaften aus dem Haus zu verbannen oder gar vor dem Suchtkranken zu verstecken.

    Dieser wird mit Aggressionen reagieren und schlimmstenfalls in eine Depression abrutschen. Kein Heroinsüchtiger wird dadurch gesund, dass man ihm die Droge einfach schlagartig entzieht. Im Gegenteil: Auch bei der Computersucht bedarf es zunächst einer sorgfältigen Recherche, wo die Ursachen für das abnormale Verhalten liegen könnten.

    Es gilt, das soziale Umfeld des Patienten intensiv zu beleuchten. Im Anschluss daran sollte eine ausführliche Psychotherapie erfolgen. „Den Patienten werden zunächst die problematischen Verhaltensmuster bewusst und sie lernen in der Verhaltenstherapie zum Beispiel, wie er oder sie am besten mit Frustrationen umgeht. Im Kompetenztraining üben sie dann Fähigkeiten wie Selbstsicherheit, Kontakt schließen und Nein sagen können", heißt es von Seiten des Fachverbandes Medienabhängigkeit e. V.