Ergebnisse der neuen Krankenkassen-Studie

    Aus Medizin-Lexikon.de

    Die Ergebnisse der neuen Krankenkassen-Studie der Barmer GEK zeigt, wie verschieden es mit dem Gesundheitszustand der Deutschen je nach Bundesland aussieht: Demnach gibt es in Bayern und den Stadtstaaten vermehrt Depressions-Kranke, in den Küstenregionen hingegen überdurchschnittlich viele Alkoholiker. Zudem sind laut der Studie die Menschen im Osten krankheitsanfälliger als die im Westen.

    Ostbürger häufiger krank als Westbürger

    Die Krankenkasse Barmer GEK erforschte für die Studie die regionale Verteilung von den 80 meistverbreiteten chronischen Krankheiten wie etwa Diabetes, Depressionen und Herz-Kreislauf-Leiden. Dabei wurde das Krankheitsverhalten von 8,4 Millionen Versicherten des Jahres 2009 untersucht. Das Ergebnis: Statistisch gesehen erkranken die Bürger aus den westlichen Bundesländern seltener als die aus den östlichen.

    So sind nach Angaben der Barmer GEK vor allem die Bundesbürger aus Halle, Schwerin und Sachsen äußerst krankheitsanfällig, am gesündesten hingegen seien Menschen aus dem Raum Stuttgart und Ulm. Hauptgrund für den Unterschied West-Ost sieht Uwe Repschläger von der Barmer GEK im Alter: Indem ein Großteil der jüngeren Menschen, aber vor allem auch Besserverdiener und Gebildete, in die westlichen Bundesländer zog, sei eine Art "Gesundheitsmigration" abgelaufen.

    So gibt es in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen inzwischen viel mehr ältere als junge Menschen. Uwe Repschläger sagte hierzu: "Insgesamt zeigt sich der große Einfluss von Bildung und Einkommen auf die Gesundheitschancen."

    Der Vorstandschef der Barmer GEK Christoph Straub warnt vor einer mangelhaften Versorgung gerade in den besonders krankheitsanfälligen Gebieten: "Es darf nicht sein, dass der Wohnort die Versorgungsqualität bestimmt." Langfristig müsse das Ziel sein, die regionalen Differenzen in der Versorgung aufzuheben.

    Viele Depressions-Kranke in Bayern und den Stadtstaaten

    Von Depressionen hingegen seien laut der Barmer GEK am häufigsten die Einwohner Bayerns sowie der Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg betroffen. Zuvor hatte bereits die Techniker Krankenkasse in ihrem Gesundheitsreport 2011 darauf aufmerksam gemacht, dass die Anzahl der Depressions-Kranken im Vergleich zum Vorjahr gestiegen war.

    "In Bayern gibt es eine Überversorgung mit Psychotherapeuten. Also werden auch mehr seelische Erkrankungen festgestellt", äußerte sich Repschläger gegenüber SPIEGEL ONLINE. Allerdings ist die Zahl der Psychologen in Bayern nur wenig höher als der Bundesdurchschnitt. In den Stadtstaaten hingegen würde die Begründung schon eher zutreffen, da die Zahl der Psychologen dort deutlich höher ist.

    Hohe Alkoholiker-Rate an der Küste

    Aus den Daten der Krankenkassen-Studie ergab sich zudem, dass in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein überdurchschnittlich viele Alkoholkranke leben. Die Ursachen für diese Auffälligkeit sind jedoch unklar. Straub und Repschläger wollten einen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und den typischen Küstenberufen wie Fischer und Werftarbeiter nicht ausschließen.

    Die Barmer GEK beklagt insgesamt, dass Deutschland je nach Bundesland eine medizinische Über- oder Unterversorgung aufweist. Auf der anderen Seite zähle Deutschland im gesamteuropäischen Vergleich aber noch immer zu den Spitzenreitern, wenn es um die Gesamtversorgung der Patienten geht.

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