Filarienkrankheiten

    Aus Medizin-Lexikon.de

    (Filariosen)

    Definition und Vorkommen

    Filarienkrankheiten sind durch Filarien, eine Familie der Fadenwürmer, hervorgerufene Krankheiten tropischer, vereinzelt auch subtropischer Gebiete. Besonders häufig kommen sie in afrikanischen Regenwaldregionen vor.

    Einteilung

    Es gibt verschiedene Filarien bzw. durch solche hervorgerufene Krankheitsbilder:

    Filaria bancrofti (auch: Wuchereria bancrofti), hält sich im lymphatischen System des Menschen auf. Der männliche Wurm kann bis zu 40 Millimeter lang werden, der weibliche bis zu 100 Millimeter. Die Weibchen erzeugen Mikrofilarien von 0,2 bis 0,3 Millimeter Länge. Diese Mikrofilarien, auch Blutfilarien genannt, werden von Stechmücken wie Anopheles, Culex, Aedes und Mansonia beim Blutsaugen an erkrankten Menschen aufgesogen. Über 50 verschiedene Mückenarten können Überträger sein. Die Blutfilarien verweilen für eine Entwicklungszeit von 14 Tagen im Zwischenwirt und bohren sich beim nächsten Blutsaugen der Mücke in die Haut des Menschen und entwickeln sich dort zur Geschlechtsreife. Die Inkubationszeit beträgt acht bis zwölf Monate und länger.

    Die Krankheitszeichen sind sehr unterschiedlich, meist bestehen nur örtliche Schwellungen und Rötungen an Beinen oder Armen. Gelegentlich treten vor allem in den Leisten Lymphdrüsenschwellungen auf. Die Initialsymptome sind fast immer von kurzer Dauer (sechs bis zehn Tage). Gelegentlich kommt es zu Fieberanfällen. Öfters entsteht eine Nebenhodenentzündung. Im Krankheitsverlauf kann es zu so genannten Obstruktionsphasen mit Störungen in der Lymphbahn, Stauung und Schwellung seröser Flüssigkeit kommen. Im weiteren Verlauf (Jahre) kann es zu einer Elephantiasis mit Wucherung und Verdickung von Haut und Unterhautfettgewebe an Brüsten, Beinen, Hodensack und Penis kommen.

    Filaria malyi, auch als Wuchereria mylayi bekannt. Diese Form wird in Indien, Vietnam, China, Korea, Japan, Indonesien und Malaysia gefunden. Überträger sind Steckmücken (Mansonia und Anopheles). Inkubation, Krankheitszeichen und Verlauf sind ähnlich wie bei a).

    Flussblindheit (Onchoccercosis), die blind machende Filarienerkrankung, hervorgerufen durch Onchocerca volvolus, führt zur Knotenbildung unter der Haut, infolge Pupillenokklusion oft auch zur Erblindung. Die Dauer der Infektion spielt dabei keine Rolle. Die Krankheit ist in Zentralamerika, Mexiko, Venezuela und Surinam bekannt; ebenso in West- und Ost-Afrika sowie im Sudan und Südarabien. Der Überträger ist die Kriebelmücke Simulium, die "schwarze Fliege". Der Infektionsweg ist ähnlich dem von a). Die Augenschäden werden jedoch nicht durch die Würmer, sondern durch in ihnen lebende Bakterien der Gattung Wolbachia ausgelöst.

    Loasis, nach der sechs Zentimeter langen Filarie Loa loa benannt, auch bekannt als Kalabar oder Augenwurmkrankheit. Sie kommt besonders in West-Afrika vor, von Sierra Leone bis zum Kongo. Der Wurm verursacht Hautschwellungen bis zu Hühnereigröße, die plötzlich auftreten und nach zwei bis drei Tagen wieder verschwinden. Er wandert im Unterhautzellgewebe. Besonders befallen werden die Augen und die Bindegewebe ihrer Umgebung. Überträger sind Fliegen (Chrysops dimidiata).

    Filaria ozzardi, wird von Mansonella ozzardi verursacht und von einer Fliege übertragen. Der erwachsene Wurm hält sich in den Körperhöhlen auf; Mikrofilarien werden im Blut nachgewiesen. Diese Filarie wird ausschließlich in Südamerika gefunden. Die Krankheitserscheinungen sind fast immer geringfügig.