Fruchtentwicklung

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    auch: Keimesentwicklung;

    Definition und Einteilung

    Der Begriff Fruchtentwicklung bezeichnet die Entwicklung von der befruchteten Eizelle (Zygote) bis zum Neugeborenen, der die Eihüllen verlässt.

    Man unterscheidet zwei Phasen der Keimesentwicklung: Embryo und Fetus.

    Embryo

    Die Keimlingsphase beginnt mit der Zygote, aus der durch so genannte Furchungsteilungen der Maulbeerkeim (Morula) entsteht. Im Inneren dieses Zellhaufens bildet sich ein flüssigkeitsgefüllter Raum. Dieses Stadium nennt man Blasenkeim (Blastula), aus dem zwei entwicklungsgeschichtlich unterschiedliche Teile entstehen: der Trophoblast und der Embryoblast.

    Die äußere Zelllage der Blastula, die Blastozyste, bildet sich zum so genannten Chorion um. Die Blastozyste setzt sich in der Gebärmutterwand fest und bildet aus dem Trophoblastenteil die Plazenta. Das Innere der Blastozyste ist nicht hohl, sondern enthält zwei Zellgruppen, die den Embryoblasten und die anderen Eihüllen bilden.

    Die Zellen des Embryoblasten sind zunächst in zwei Schichten, so genannten Keimblättern, angeordnet: dem Entoderm und Ektoderm, wobei sich durch Einstülpung und Zellwanderung des letzteren ein drittes, zwischen beiden liegendes Keimblatt, das Mesoderm bildet.

    Auf der Rückenseite wölbt sich das Ektoderm in Längsrichtung und bildet die Neuralrinne, die sich zum Neuralrohr schließt. Aus diesem entsteht das Zentralnervensystem.

    Aus dem Mesoderm entstehen gegen Ende der dritten Woche an beiden Seiten des Neuralrohrs Segmente, die Somiten genannt werden. Sie sind die Anlagen, aus denen sich entwickeln:

    a) das Bindegewebe, Knorpel und Knochen;

    b) die Muskeln;

    c) die Zellen des Blutes und der Lymphe und die Wandungen der Blutgefäße, des Herzens und der Lymphgefäße;

    d) die Nieren und Keimdrüsen mit den dazugehörigen Ausführungsgängen;

    e) der Rindenanteil der Nebennieren;

    f) die Milz.

    Aus dem Entoderm entwickeln sich die epitheliale Auskleidung des Urdarms, der Allantois und des Dottersacks. In der weiteren Entwicklung leiten sich ab:

    a) die epitheliale Auskleidung der Atemwege;

    b) das Parenchym der Mandeln, der Schilddrüse, der Nebenschilddrüse, des Thymus, der Leber und der Bauchspeicheldrüse;

    c) die epitheliale Auskleidung der Harnblase und der Harnröhre;

    d) die epitheliale Auskleidung der Paukenhöhle und der Tuba auditiva (Ohr).

    Der Enddarm des Embryos bildet eine blasenförmige Ausstülpung, die Allantois. Der Dottersack bleibt im Wachstum zurück und verschwindet. Nach drei Wochen ist der Embryo etwa 1,5 Millimeter lang, nach vier Wochen fünf Millimeter. Nach fünf Wochen sind an dem acht Millimeter langen Embryo die Anlagen für beide Arme, Herz und Auge zu erkennen. In der achten Woche sind alle Organe angelegt.

    Fetus

    Vom Augenblick der Ausbildung der Organanlagen an nennt man den Embryo Fetus. Nach elf Wochen ist das Geschlecht erkennbar. Nach etwa 14 Wochen ist der Fetus fast 16 Zentimeter lang und beinahe voll entwickelt. Die Verknöcherung der bis dahin knorpeligen Knochenanlagen setzt ein.

    Ein viereinhalb Monate alter Fetus wiegt etwa 170 Gramm und ist im Durchschnitt 21 Zentimeter lang. Mit sieben Monaten ist die Entwicklung bereits so weit, dass eine Frühgeburt am Leben erhalten werden kann. Die Geburt erfolgt nach neun Monaten.