Gelenkrheumatismus

    Aus Medizin-Lexikon.de

    Allgemeines

    Gelenkrheumatismus ist eine bestimmte Form der Arthritis, die sowohl akut nach Infektionskrankheiten als auch ohne erkennbare Ursache chronisch verlaufen kann. Sie geht mit einer schweren, meist schmerzhaften Systemerkrankung mit allergisch bedingter Bindegewebsentzündung an Herz und Gelenkkapseln einher. Anzeichen sind Gelenkschwellungen, Fieber, Schweißausbrüche und eine Rötung der Gelenke. Der Übergang vom akuten ins chronische Stadium ist oftmals mit schweren Gelenkveränderungen verbunden.

    Siehe auch Rheumatismus.

    akuter Gelenkrheumatismus

    Das rheumatische Fieber mit Erkrankung vieler Gelenke zu gleicher Zeit, wird fast immer durch hämolytische Streptokokken verursacht (z.B. Scharlach). Die Streptokokkeninfektionen kann sehr leicht verlaufen, auch können die Mandeln oder eine Zahnwurzel (Herdinfektion, Zahngranulom) in einer Weise chronisch infiziert sein, dass der Betroffene nichts davon bemerkt. Etwa acht bis 21 Tage nach der Erstinfektion bricht der Gelenkrheumatismus plötzlich mit heftigen Schmerzen in mehreren Gelenken aus, meist auch mit hohem Fieber und manchmal mit blassem Hautausschlag. Die Streptokokkeninfektion lässt sich durch die Bestimmung von Antistreptolysin im Blut nachweisen. Oft setzen sich die Bakterien auch in den Nieren (Herdnephritis) und an den Herzklappen (Endokarditis) fest und verursachen dort schwere, bleibende Schäden. Typisch für den Rheumatismus ist die Entstehung harter Knötchen in der Muskulatur, auch an den Herzklappen und in den Gelenken. Auf die akute Phase mit starken Gelenkschwellungen folgt die chronische, die fast immer zu Herzklappenfehlern führt. Die Behandlung hat vor allem zum Ziel, den Übergang in die chronische Phase zu verhindern. Wegen der Gefahr der Herzklappenschädigung ist der Gelenkrheumatismus immer eine gefährliche Krankheit, die vom Arzt behandelt werden muss.

    chronischer Gelenkrheumatismus

    Der primär chronische Gelenkrheumatismus verläuft von Anfang an schleichend und ohne Fieber. Er fängt meist im mittleren Lebensalter an, doch können auch schon Schulkinder erkranken. Frauen werden dreimal häufiger befallen als Männer. Als Ursache werden Störungen im Stoffwechsel des Bindegewebes vermutet, die vielleicht auch durch chronische Infektionsherde ausgelöst werden. Im Blutserum findet man einen Antikörper, der als Rheumafaktor bezeichnet wird und den man durch eine Agglutinationsreaktion (Agglutination) nachweist. Die Krankheit kann, besonders bei Jugendlichen, auch als akuter Gelenkrheumatismus mit Fieber beginnen oder nach der Behandlung einer Herdinfektion auftreten. Meist beginnt sie aber schleichend mit Steifigkeit und allmählich zunehmenden Schwellungen an den kleinen Gelenken (Finger, Zehen), die im Laufe der Jahre verkrümmt werden, da auch die Knochenstruktur aufgelöst wird. Der chronische Gelenkrheumatismus kann auf alle Gelenke übergehen. Trifft er die Wirbelgelenke, verursacht er eine besondere Krankheit, die Spondylarthritis ankylopoetica (Bechterew-Krankheit). Durch Entzündung und Schrumpfung der Gelenkkapseln, Knorpel und Schleimbeute kommt es allmählich zu unförmigen Veränderungen aller Gelenke. Infolge dieser Veränderungen werden die Kranken invalide. Der chronische Gelenkrheumatismus ist in allen Ländern der Welt eine der Hauptursachen der Frühinvalidität.