Großhirn

    Aus Medizin-Lexikon.de

    (Telencephalon)

    Das Großhirn überdeckt haubenartig das Zwischenhirn (Diencephalon). Es besteht aus zwei Hälften (Hemisphären), die durch einen tiefen Einschnitt (Fissura longitudinalis cerebralis) geteilt werden. Durch einen dicken Nervenstrang (Corpus callosum), den so genannten Balken, sind sie miteinander verbunden.

    Die Hemisphären-Oberfläche besteht wie die des Kleinhirns (Cerebellum) aus Furchen (Sulci) und Windungen (Gyri), die der Vergrößerung der Oberfläche dienen und die sich in Primär-, Sekundär- und Tertiärfurchen unterscheiden. Während die Primärfurchen bei allen Gehirnen gleich ausgebildet sind und die Sekundärfurchen nur begrenzt variieren, sind die Tertiärfurchen in jedem Gehirn unterschiedlich. Sie geben den einzelnen Gehirnen Individualität und sind unverwechselbar.

    Der äußeren Gestalt nach (morphologisch) lassen sich in allen Gehirnen, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung, in jeder Hemisphäre fünf Hauptgebiete abgrenzen: Stirnlappen (Lobus frontalis), Scheitellappen (Lobus parietalis), Schläfenlappen (Lobus temporalis) und Hinterhauptlappen (Lobus occipitalis) und Insellappen (Lobus insularis). Diese Bezeichnung ist wichtig für die Lokalisierung der Felder der Großhirnrinde (Cortex cerebralis), die unsere Persönlichkeit ausmachen.

    Funktionell lassen sich den Rindenfeldern bestimmte Leistungen zuordnen. Zum Beispiel ist der Hinterhauptlappen Sitz des Sehzentrums, die Schläfenlappen beherbergen das Hörzentrum, in den Scheitellappen liegen Zentren für Sinneseindrücke und Sensibilität. Der Stirnlappen enthält die Zentren für Motorik und etwas, das uns von allen anderen Lebewesen unterscheidet und unsere Persönlichkeitsstruktur ausmacht: Bewusstsein, Kreativität, Verantwortung und Gewissen liegen in diesem nur unvollkommen erforschten Bereich. Sie machen "das Ich" und unsere Vorstellung von "den Anderen" aus. Der an die Basalganglien angrenzende Teil des Großhirns ist der Insellappen. Er liegt in der Tiefe der seitlichen Hirnfurche und wurde während seiner Entwicklung von den stärker wachsenden Bereichen des Großhirns überlagert (von Stirn,- Scheitel- und Schläfenlappen). Funktionell steht der Insellappen mit dem limbischen System in Zusammenhang.

    Als Großhirnrinde (Cortex cerebralis) wird die graue Substanz an der Oberfläche des Gehirns (Cerebrum) bezeichnet, im Gegensatz dazu steht die graue Substanz in der Tiefe des Großhirnmarks, die so genannten Basalganglien. Diese Ausdrucksform ist etwas vage. Manche bezeichnen mit diesem Begriff nur den "Streifenkörper" (Corpus striatum) des Großhirns, andere schließen auch den "Mandelkörper" (Corpus amygdaloideum, Teil des Riechhirns) mit ein, ebenso wie den "Sehhügel" (Thalamus). Die Großhirnrinde ist beim Menschen etwa 1,5 bis vier Millimeter dick. Ihre Gesamtoberfläche beträgt ca. 0,2 Quadratmeter und enthält ca. zehn Milliarden Neuronen.