Hell-Dunkel-Anpassung

    Aus Medizin-Lexikon.de

    (Hell-Dunkel-Adaption, Hell-Dunkel-Adaptation)

    Einleitung

    Das menschliche Auge ist fähig, sich den wechselnden Lichtbedingungen, die uns ständig umgeben, anzupassen. Es bleibt über einen großen Leuchtdichtebereich funktionstüchtig. Die Umstellung an eine geringere Leuchtdichte vollzieht sich durch die Veränderung der Pupillenöffnung, durch die die Lichtempfindlichkeit (bei Pupillenerweiterung) bis auf das 20-fache gesteigert werden kann, durch den Übergang vom Zapfen- zum Stäbchensehen, aber vor allem auch, indem die Empfindlichkeit der Netzhautsinnesrezeptoren geändert wird.

    Stäbchen und Zapfen

    Innerhalb der Netzhaut unterscheidet man zwischen verschiedenen Sinnesrezeptoren, nämlich Stäbchen und Zapfen. Sie haben unterschiedliche Funktionen. Die Zapfen dienen dem Sehvorgang bei Tageslicht. Dieses bezeichnet man als photoptisches Sehen. Hier kommt es zu besonders hoher Sehschärfe im Bereich der Fovea centralis (kleine Vertiefung in der Mitte des Gelben Flecks). Auch die hohe Kontrastempfindlichkeit sowie das Unterscheidungsvermögen der Farben (Farbensinn) sind nur durch die Zapfen möglich. In den Stäbchen werden zwar Helligkeitsunterschiede, aber nicht Farbunterschiede registriert. In den Stäbchen vollzieht sich das Dämmerungssehen (skotopisches Sehen).

    Hell-Adaption

    Wenn man vom Dunklen ins Helle tritt, findet ein Übergang vom Stäbchen- zum Zapfensehen statt (Hell-Adaption). Die jeweiligen Umstellungen von Hell auf Dunkel bzw. umgekehrt dauern von wenigen Sekunden bis zu einigen Minuten, wobei die Helladaption wesentlich schneller als die Dunkeladaption vor sich geht. Es kommt zwar zu einer relativ kurzen Blendung, durch die das Wahrnehmungsvermögen für Konturen stark gestört ist, aber bereits nach 20 bis 60 Sekunden hat sich der reizaufnehmende Apparat umgestellt.

    Dunkel-Adaption

    Bei Wechsel zu niedrigeren Lichtintensitäten übernehmen die Stäbchen, die für das Dämmerungssehen zuständig sind, die Wahrnehmung der auf der Netzhaut abgebildeten Umwelt. Je nach dem Grad der vorherigen Hellanpassung und dem Zerfall des Sehpurpurs erfolgt diese Dunkel-Adaptation in kürzerer oder längerer Zeit (in zehn bis 20, oft erst in 30 bis 50 Minuten) unter Regeneration des Sehpurpurs. Bei der Prüfung der Dunkel-Adaptation mit einem Adaptometer wird die Empfindlichkeitszunahme bei stufenweiser Herabsetzung der Lichtintensität festgestellt (Adaptationskurve). Die Lichtempfindlichkeit des dunkeladaptierten Auges ist infolge der Stäbchenfunktion im Außenbereich der Netzhaut größer als in ihrem Zentrum (Stäbchensehen).

    Von Nachtblindheit (Hemeralopie) spricht man, wenn die Adaptionsfähigkeit der Stäbchen ausfällt. Diese kann angeboren oder erworben sein.