Nahrung

    Aus Medizin-Lexikon.de

    Nahrung dient dem Aufbau und der Erhaltung der Lebewesen. Pflanzen und Tiere brauchen Baustoffe zum Zellaufbau, außerdem Betriebs- oder Energiestoffe.

    Für die Pflanzenwelt sind dies im allgemeinen niedermolekulare anorganische Bausteine wie Kohlensäure, Stickstoffverbindungen, Wasser und Mineralsalze, die mithilfe der Sonnenenergie und des Chlorophylls im Blattgrün durch selbstgebildete Enzyme zu hochmolekularen organischen Bausteinen wie Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten, Vitaminen aufgebaut werden.

    Der animalische Organismus (Mensch und Tier) nimmt diese Vegetabilien als Nahrung auf. Er zerkleinert sie, schließt sie chemisch durch Enzyme im Verdauungsapparat auf und verbrennt sie im inneren Stoffwechsel, d.h. in den Körperzellen mithilfe von Enzymen und des aus der Luft aufgenommenen Sauerstoffes, der z.T. von den Pflanzen ausgeschieden wird. Dieser Energie liefernde Abbau führt zu niedermolekularen organischen (Harnstoff, Harnsäure) oder anorganischen (Kohlensäure, Salze, Wasser) Stoffwechselresten, die mit der Atmung oder durch den Harn und Stuhl wieder ausgeschieden werden. Sie sollten den Pflanzen möglichst als Dünger wieder zugeführt werden. In diesem großen Kreislauf der Natur (Biozyklus) ist die Existenz der Tierwelt von der Pflanzenwelt unabhängig und umgekehrt. Der tierische Organismus ist nicht in der Lage, die einfachen, anorganischen Nährstoffe der Luft, der Erde und des Wassers aufzunehmen und zu verwerten.

    Für die Ernährung des Menschen gelten ebenso bestimmte biologische Gesetzmäßigkeiten wie für alle anderen Lebensvorgänge auch. Die Nahrung muss ausreichend (in Kalorien oder Verbrennungseinheiten gemessen) sein, d.h. sie sollte auf die Dauer weder zu reichlich noch zu knapp sein, sie muss richtig zusammengesetzt und vollwertig sein, d.h. alle für den Körper notwendigen Bestandteile im richtigen Verhältnis enthalten. Sie muss durch die Zubereitung auch gut verträglich sein (z.B. Kartoffeln nur gekocht aufnehmen) und anregend auf die Verdauungssaftbildung wirken. Die Nahrung muss außer den eigentlichen Nährstoffen auch ausreichend Balaststoffe enthalten, damit die Darmpassage und die Entleerung der unverdaulichen und z.T. schädlichen Nahrungsreste durch den Enddarm (Stuhlgang) regelmäßig funktioniert. Die Balaststoffe werden fast ausschließlich von dem Stützgewebe, d.h. Zellulosen u.Ä. der Pflanzen geliefert (Früchte, Gemüse, Vollkornprodukte). In der Ernährung kennt man die Hauptnährstoffe oder Kalorienträger Eiweiß, Fett und Kohlenhydrat, die zum Körperaufbau (Wachstum) und zur Lieferung der Lebensenergie (Betriebsstoffwechsel) dienen. Die Ergänzungsstoffe oder Vitalstoffe (Mineralien, Spurenelemente, Vitamine und Wasser) sorgen für den Umsatz in der Zelle und für einen bestmöglichen Ablauf aller Lebensvorgänge. Sie sind lebensnotwendig. Die Verwertung der Nährstoffe im Organismus erfolgt durch die Verdauung.

    Heute weiß man, dass die Hauptnährstoffen nicht nur nach ihrem Kaloriengehalt beurteilt und untereinander entsprechend ausgetauscht werden dürfen, sondern dass z.B. der biologische Weißwert, der Nutzungswert u.a. zu berücksichtigen sind. Die Ernährungslehre benutzt den Begriff große Kalorie oder Kilokalorie, abgekürzt kcal. Nach dem Brennwert ergibt: 1 g Eiweiß: 4,1 kcal; 1 g Kohlenhydrate: 4,1 kcal und 1 g Fett 9,3 kcal. Fett hat also einen doppelt hohen Nährwert, auf dasselbe Gewicht berechnet, wie Eiweiß und Kohlenhydrate. Die Eiweißnahrung hat eine Sonderstellung, da sie im wesentlichen dem Zell- und Enzymaufbau dient. Die Eiweißträger der Nahrung (Fleisch, Milch, Getreide) haben eine besondere "biologische" Eiweißwertigkeit. Deshalb ist Eiweiß unentbehrlich in der Nahrung und kann nicht in größerem Umfang durch Kohlenhydrate oder Fette ersetzt werden.

    Der biologische Wert einer Nahrung richtet sich immer nach der vorhandenen Mindestmenge eines jeden notwendigen Nährstoffes (Minimumgesetz nach Liebig). So kann eine zu geringe Menge einer essenziellen Aminosäure oder eines Vitamins nicht durch einen Überschuss an anderen ausgeglichen werden. Je nach Zusammensetzung oder -fügung der einzelnen Nahrungsstoffe kommt man zu verschiedenen Formen der Ernährung. Sie weist in der Geschichte und in der klimatischen und geografischen Lage der einzelnen Völker große Unterschiede auf. In den letzten Jahrzehnten hat durch die Technik und Zivilisation der Nahrung große Wandlung erfahren. Auf der einen Seite ist sie durch die schnellen Verkehrsverbindungen vielseitiger geworden. Man kann heute zu jeder Jahreszeit frisches Obst und besondere, bei uns seltene Nahrungsmittel aus den entferntesten Ländern erhalten. Auf der anderen Seite ist die Versorgung mit frischen Lebensmitteln durch die Bevölkerungszunahme mit ihrer Zusammenballung in Städten nicht mehr wie früher direkt vom Acker oder Garten möglich. Man kauft heute seine Nahrung in Geschäften, wo sie durch Denaturierung, Konservierung und Verschönerung (Färbung von Lebensmitteln) für längere Zeiträume haltbar gemacht und werbeträchtig hergerichtet wird. So ist das wertvolle Vollkornmehl nicht lange haltbar und muss besser backfähigen hellen Mehlen weichen. Dadurch werden dem Menschen wertvolle Vitalstoffe vorenthalten. Es ist deshalb notwendig, dass unsere heutige Nahrung in vielen Punkten aufgewertet wird. Hierzu gehören vor allem Vitaminträger. Durch ein Zuviel an Fetten und Süßigkeiten und durch fast ausschließlichen Verbrauch von weißem Mehl mangelt es vielfach an B-Vitaminen, besonders B1, ferner an Kalzium und Eisen sowie durch eine ungeeignete Lagerung und Zubereitung der Lebensmittel auch an Vitamin C. Die Nahrung kann leicht durch Vollkornbrot oder Getreidefrischbrei, durch mehr Milchprodukte und durch Obst- und Frischkostbeilagen zu einer vollwertigen Ernährung aufgewertet werden.

    Die Nahrung soll weder zu reichlich noch zu knapp oder einseitig sein. Eine streng vegetarische Ernährung, d.h. ohne Fleisch, sowie eine ausschließliche Rohkost sind für eine Dauerernährung nicht geeignet, sondern nur für vorübergehende diätetische Schonungsperioden, z.B. bei Herz- und Nierenleiden.