Prostatakrebs: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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    Keine Krebserkrankung tritt beim Mann in Deutschland derart häufig auf wie der Prostatakrebs – auch Prostatakarzinom genannt. Rund 60.000 Neuerkrankungen treten Jahr für Jahr in unserem Land auf. Im frühen Stadium ist die Krebserkrankung gut behandelbar und eine Heilung ist möglich. Das gilt nicht, wenn der Tumor bereits Metastasen gebildet hat. Eine regelmäßige Vorsorge kann also Leben retten.

    Was genau ist Prostatakrebs?

    Von Prostatakrebs sprechen Mediziner, wenn sich innerhalb der männlichen Vorsteherdrüse (Prostata) ein bösartiger Tumor gebildet hat. Wie erwähnt handelt es sich um die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Etwa ein Viertel aller bösartigen Neubildungen beim Mann entfällt auf diese Krankheit. Die Häufigkeit von Prostatakrebs hat in den letzten dreißig Jahren stetig zugenommen. Vermutlich liegt dies aber nur daran, dass die Tumorerkrankung durch immer bessere Diagnose-Verfahren schlicht häufiger und frühzeitiger erkannt wird.

    Welche Bedeutung hat die Prostata?

    Die Prostata ist ein etwa kastaniengroßes Organ in Form einer Drüse, die sich im Unterleib unterhalb der Harnblase befindet. Die deutsche Bezeichnung lautet Vorsteherdrüse. Nur Männer besitzen eine Prostata. Die Drüse wiegt bei Erwachsenen ungefähr 20 Gramm und ist für die Produktion des sogenannten Prostatasekrets – ein Bestandteil der Samenflüssigkeit – verantwortlich.

    Tritt Prostatakrebs in jedem Alter auf?

    Obgleich in der Medizin immer Ausnahmefälle auftreten, tritt Prostatakrebs bei Männern unterhalb von 50 Jahren nur sehr selten auf. Ab dann steigt das Erkrankungsrisiko stetig mit dem Lebensalter. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 70 Jahren.

    Welche Beschwerden verursacht Prostatakrebs?

    Problematisch an Prostatakrebs ist, dass er erst in weit fortgeschrittenem Zustand nennenswerte Beschwerden verursacht. Für eine vollständige Heilung ist aber gerade die frühzeitige Erkennung sehr wichtig. Ist die Erkrankung schon weiter fortgeschritten, treten unter Umständen folgende Symptome auf:

    • Probleme beim Wasserlassen, sichtbar durch einen schwächeren Harnstrahl
    • Schmerzen beim Wasserlassen
    • Erektionsstörungen
    • Schmerzen beim Samenerguss
    • Schmerzen im Bereich der Steißbein- und Lendenwirbel
    • Blut im Urin und/oder der Samenflüssigkeit
    • vermehrter nächtlicher Harndrang (Nykturie)

    Wie wird Prostatakrebs diagnostiziert?

    Meistens wird die Diagnose während einer Früherkennung gestellt. Am Beginn der Untersuchung steht die Patientenbefragung. Anschließend führt der Urologe eine Tastuntersuchung durch, bei der er mit dem Finger den Enddarm abtastet. Hierbei können evtl. Veränderungen, wie eine Vergrößerung der Prostata, festgestellt werden. In diesem Fall wird der PSA-Test durchgeführt. Hierbei wird das Blut auf das sogenannte prostataspezifische Antigen (PSA) – ein Eiweiß-Molekül – hin untersucht. Dieses Protein wird ausschließlich von der Prostata gebildet und zwar bei einer Entzündung oder einem bösartigen Tumor wesentlich verstärkt. Ein Wert über 4 ng/ml (Nanogramm pro Milliliter Blut) ist demnach ein möglicher Hinweis auf ein Prostatakarzinom. Um die Diagnose zu sichern, erfolgen bildgebende Untersuchungen wie Ultraschall, MRT, CT und Röntgen. Endgültigen Aufschluss gibt eine Gewebeuntersuchung (Biopsie). Weitere Informationen zur Diagnose von Prostatakrebs finden Sie hier.

    Wie stellt sich die Prostatakrebs-Vorsorgeuntersuchung dar?

    Männer ab 45 Jahren haben einmal jährlich Anspruch auf eine Prostatakrebs-Vorsorgeuntersuchung. Diese wird von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Die genaue Abtastung der Genitalien und der dazugehörigen Lymphknoten ist Bestandteil des Vorsorgeprogramms. Zudem tastet der Urologe über den Enddarm das eigentliche Organ, die Prostata, ab. Nicht vorgesehen ist hierbei ein PSA-Test, da die Vorhersagekraft in der Fachwelt kontrovers diskutiert wird. Daher wird dieses labordiagnostische Verfahren nur bei konkretem Verdacht angewendet.

    Wie wird Prostatakrebs behandelt?

    Es existieren viele Behandlungsmöglichkeiten, die sich nach Größe, Stadium und Ausdehnung des Tumors richten. Vorteilhaft ist die Tatsache, dass ein Prostatakarzinom häufig nur relativ langsam wächst. Wenn der Krebs die Organkapsel noch nicht überschritten hat, ist die vollständige Heilung das Ziel. Hierzu wird der Tumor und die umliegenden Strukturen – in der Regel die gesamte Prostata – chirurgisch entfernt (radikale Prostatektomie). Sicherheitshalber entfernt der Operateur zumeist auch die umliegenden Lymphknoten. Bei sehr kleinen Tumoren wird in manchen Kliniken heutzutage sogar organerhaltend operiert.

    Auch eine Bestrahlung kann zur vollständigen Heilung führen. Bei Patienten in sehr hohem Alter und langsam wachsendem Prostatakrebs wird mitunter sogar auf eine aktive Behandlung so lange verzichtet, wie die bösartige Raumforderung nicht größer wird. Dies setzt aber eine engmaschige Überwachung voraus und geheilt wird die Erkrankung so nicht. Ist der Tumor weit fortgeschritten oder hat gar Metastasen gebildet, ist eine vollständige Heilung nicht mehr möglich. Je nach Situation kann eine Operation trotzdem Linderung und eine längere Überlebenszeit schaffen. Eine Strahlen-, Chemo- und Hormontherapie können die Lebensqualität des Patienten heutzutage enorm steigern, das gilt auch für das Langzeitüberleben. Eine wichtige Rolle spielen überdies die Schmerztherapie und eine psychoonkologische Betreuung.

    Wie ist die Prognose?

    Früh erkannt, ist Prostatakrebs praktisch immer heilbar. Bei großflächiger Ausdehnung oder vorliegenden Metastasen ist eine Heilung nicht mehr möglich. Durch moderne Therapieverfahren haben sich Langzeitüberleben und Lebensqualität aber signifikant verbessert.

    Bedroht Prostatakrebs die Potenz?

    Gerade wenn eine vollständige Prostataentfernung erfolgen muss, sind Erektionsstörungen sehr häufig. Es gibt aber zahlreiche Therapien, diesen erfolgreich zu begegnen. Selbst schwerste Potenzprobleme können Dank der modernen Medizin effektiv gelindert werden. PDE-5-Hemmer sind hierfür die wichtigste, aber längst nicht die einzige Behandlungsmethode.