Was ist Absinth?
Absinth ist ein hochprozentiges, meist grünliches alkoholisches Getränk, das traditionell aus Wermut (Artemisia absinthium), Anis und Fenchel hergestellt wird. Aufgrund des hohen Alkoholgehalts und des enthaltenen Nervengifts Thujon war das Getränk lange Zeit umstritten und in vielen Ländern verboten. Heute ist er unter strengen Auflagen wieder zugelassen.
Inhaltsstoffe und ihre Wirkung
Die besondere Wirkung von Absinth wird durch die Kombination mehrerer Inhaltsstoffe bestimmt:
- Thujon: Hauptbestandteil des Wermuts, wirkt neurotoxisch in hohen Dosen.
- Anethol: Bestandteil von Anis, mit leicht sedierender Wirkung.
- Fenchon: Komponente des Fenchels, fördert die Verdauung.
- Hochprozentiger Alkohol: In der Regel 45–74 % Vol., verstärkt die Aufnahme der Wirkstoffe.
Während Alkohol die zentralnervösen Funktionen dämpft, kann Thujon in großen Mengen zu Erregungszuständen, Halluzinationen und Krampfanfällen führen.
Medizinische Auswirkungen und Risiken
Absinth wurde in der Vergangenheit als Heilmittel gegen verschiedene Leiden eingesetzt, insbesondere:
- Verdauungsbeschwerden: Wermut fördert die Magensäureproduktion und wirkt appetitanregend.
- Fiebrige Erkrankungen: In der traditionellen Medizin wurde Wermut zur Behandlung von Malaria und Fieber genutzt.
- Schmerzstillung: In kleinen Mengen wurde Absinth als Analgetikum betrachtet.
Gesundheitsrisiken von Absinth
Ein übermäßiger Konsum kann jedoch erhebliche gesundheitliche Probleme verursachen:
- Neurotoxische Effekte: Thujon kann in hohen Dosen epileptische Anfälle und Psychosen auslösen.
- Suchtgefahr: Durch den hohen Alkoholgehalt besteht ein erhöhtes Risiko für Alkoholabhängigkeit.
- Leber- und Nervenschäden: Langfristiger Konsum kann toxische Auswirkungen auf die Organe haben.
Geschichte des Absinth-Verbots
Das Wermut-Gebräu war insbesondere im 19. Jahrhundert ein beliebtes Getränk in Künstler- und Intellektuellenkreisen. Aufgrund der zunehmenden Berichte über gesundheitliche Schäden und psychische Erkrankungen wurde er in vielen Ländern verboten:
- 1923: Verbot in Deutschland wegen der mutmaßlich schädlichen Wirkung von Thujon.
- 1981: Aufhebung des Absinth-Gesetzes, aber faktisches Verbot durch die Aromenverordnung.
- 1991: Wiederzulassung mit reguliertem Thujon-Gehalt in Deutschland.
Heute darf das alkoholische Getränk in der EU bis zu 35 mg/kg Thujon enthalten, während die Werte in den USA auf maximal 10 mg/kg begrenzt sind.
Fazit: Genussmittel mit Geschichte
Absinth ist ein faszinierendes Getränk mit einer bewegten Vergangenheit. Während seine medizinische Bedeutung heute gering ist, bleibt er aufgrund seines einzigartigen Aromas und seiner kulturellen Bedeutung ein geschätztes Genussmittel. Dennoch sollte der Konsum mit Bedacht erfolgen, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden.
Quellen
- Strang, J., & Marsden, J. (2001). „The Psychopharmacology of Absinth: From Tradition to Modern Evidence“. British Journal of Psychiatry.
- Arnold, W. N. (1989). „Thujone and the Pharmacology of Absinth“. Journal of the History of Neurosciences.
- Lachenmeier, D. W., Emmert, J., et al. (2006). „Thujone – Toxicity and Regulation in the European Union“. Food Chemistry and Toxicology.