High-End-Produkte für die Schädelchirurgie

aus: Medizin-Lexikon.de

Die Aussicht auf eine bald durchzuführende Schädel-OP ist für Patienten ein Schock und nicht ohne Grund beängstigend. Doch auch Ärzte unterliegen einer großen Verantwortung, denn diese Art von Operationen lassen sich mit dem Schrauben von Knochenbrüchen nicht vergleichen. Dennoch hat die Medizin enorme Fortschritte gemacht, die sich insbesondere auf die komplizierten Kopf-OPs auswirken. High-Tech-Lösungen sind in Operationssälen praktisch gang und gäbe und unterstützen Ärzte. In der Zukunft könnten sich die Operationen sogar noch weiter verändern. Wie es um die Lösungen im OP-Bereich bestellt ist, zeigt dieser Artikel

Elemente der Fixierung

Viele Kopf-OPs können nur an wachen Patienten durchgeführt werden. Gerade, wenn direkt am Gehirn gearbeitet werden muss, ist es notwendig, dass der Patient während der OP reagieren und auf Fragen antworten kann. Doch selbst bei einem narkotisierten Patienten ist es unheimlich wichtig, dass dieser still lieg und dass sich der zu operierende Bereich nicht bewegt. Immerhin liegen im Hirn wichtige Bereiche so dicht beieinander, dass schon ein kurzer Ruckler zu schweren Schäden führen kann. Aus diesem Grund gibt es verschiedene Fixierungen, die den Operateur unterstützen. Doch kommen noch ganz andere Fixierungen infrage:

Knochenverletzungen – viele Schädel-OPs resultieren aus äußeren Verletzungen, bei denen Teile des Schädelknochens verletzt wurden. Diese Brüche müssen natürlich versorgt werden. Handelt es sich bei den Knochenbrüchen um verschobene Bruchstellen oder Kleinteile, wachsen diese oft nicht von selbst zusammen, sondern müssen fixiert werden. Dies geschieht mit Platten oder Schrauben, die speziell für diese Einsatzgebiete hergestellt wurden.

Hirn-OP – bei jeder OP am Gehirn muss der Knochen verletzt werden. In der Regel wird minimal-invasiv gearbeitet, das bedeutet, dass das Eingangsgebiet so klein wie nur möglich gehalten wird. Dennoch ist es natürlich auch nun notwendig, nach der Operation den Knochen und die Haut zu verschließen. Auch hierbei kommen spezielle Produkte zum Einsatz. Da im Kopfbereich Präzision das oberste Gebot ist, werden eigens Produkte genutzt, die einen leichten Einsatz ermöglichen.

Besondere Methoden der Schädelchirurgie

Am Schädel müssen Patienten aus den verschiedensten Gründen operiert werden. Die meisten Menschen denken bei diesen Eingriffen direkt an Tumore, doch werden mitunter auch Schlaganfälle durch einen Hirneingriff verhindert. Letztendlich ist die Neurochirurgie ein breit gefächertes und ungemein interessantes Spektrum, wie die folgenden Beispiele zeigen:

Vaskuläre Neurochirurgie – diese Spezifikation befasst sich mit Gefäßerkrankungen im Gehirn und im Rückenmark. Sie kommt sowohl bei Hirnblutungen zum Einsatz als auch bei Durchblutungsstörungen des Gehirns.

Schädelbasischirurgie – dieser Begriff schließt alle Erkrankungen im Bereich der Schädelbasis mit ein. Da hier sehr wichtige Bereiche des Gehirns, beispielsweise das Atemzentrum, liegen, sind Eingriffe in dieser Region natürlich besonders delikat. Doch gerade hier kann es zu diversen Erkrankungen kommen, wodurch Operationen an der Schädelbasis sehr häufig sind.

Tumorneurochirurgie – hier fallen natürlich sämtliche Tumore und Wucherungen im Bereich des Kopfes runter. Je nach Lage und Größe des Tumors ist der Eingriff sehr heikel und erfordert praktisch Millimeterarbeit, da sonst wichtige Hirnbereiche dauerhaft geschädigt werden können.

Welche Form der Operation zum Einsatz kommt, ist immer patienten- und befundtypisch. Nicht jede Operation am Schädel ist vergleichbar und manche Eingriffe werden zum Teil im wachen Zustand durchgeführt. Bei diesen Operationen, die zumeist mit Eingriffen in der Nähe des Sprachs- oder Bewegungszentrums zusammenhängen, werden die Patienten nur narkotisiert, bis der Schädel geöffnet ist. Ab diesem Zeitpunkt sind sie wach und müssen während der Operation visuelle und sprachliche Tests durchführen, damit sichergestellt wird, dass kein wichtiges Hirnareal beschädigt wird.

Was könnte die Zukunft bringen?

Schon heute werden Ärzte im OP von Computern und technischen Geräten unterstützt, die einige Operationen erst möglich machen. Besonders die verschiedenen Mikroskope und mikroskopische Anlagen, die teils sogar zur Gewebeentfernung genutzt werden, fallen hier auf. In Zukunft könnte das natürlich noch wesentlich weitergehen:

Computerunterstützung – so wie heute bereits Computer Chirurgen unterstützen, könnten sie bald schon viele weitere Leistungen erbringen. Gerade durch die immer besser werdenden bildgebenden Verfahren werden Ärzte gleich am OP-Tisch in ihrer Arbeit unterstützt.

Roboter – in der Produktion führen Roboter und computergesteuerte Maschinen bereits Präzisionsarbeiten aus. Auch in der Medizin könnte das bald der Fall sein. Denkbar wären mitunter computergesteuerte Anlagen, die mit minimalem Aufwand kleinste Tumore entfernen. Der Vorteil bei diesen Robotern wäre natürlich, dass Abweichungen praktisch auf Null minimiert werden können.

Visuelle Unterstützung – visuell werden Ärzte heute schon längst bei einer Operation unterstützt. In Zukunft wäre es jedoch möglich, die Bildgebung dahin gehend zu verändern, dass der Operateur einzelne Bereiche hervorheben oder auch ausblenden kann.

Obwohl technisch bereits heute vieles möglich wäre, hadert die Medizin oft mit innovativen Neuerungen, da diese durchaus eine ethische Debatte auslösen könnten. Diese Vorurteile setzen die Entwicklung häufiger zurück. Falls ein Roboter entwickelt wird, muss er zudem erst mal zugelassen werden, was eine weitere Hürde ist. Solche Errungenschaften würden natürlich weitere Schritte erfordern:

Ausbildung – Chirurgen und das Personal müssten an den Robotern ausgebildet werden. Hier kommt es insbesondere auf die Programmierung und die korrekte Handhabung des Geräts an. Denn völlig autonom werden die medizinischen Roboter nicht arbeiten können.

Finanzierung – medizinische Geräte sind teuer, und echte Roboter würden das Budget der Kliniken sprengen.

Akzeptanz – nicht nur Patienten müssten sich mit den Technologien anfreunden, auch die Krankenkassen. Und diese könnten unter Umständen aufgrund der Kosten ein Veto einlegen, während Patienten vermutlich eher aufgeschlossener wären.

Fazit – Innovationen kommen langsam

Natürlich gibt es im Bereich der Hirnchirurgie längst innovative Erfindungen und viele Produkte, auf die Ärzte schon heute gerne zurückgreifen. Vielfach sind das jedoch Weiterentwicklungen oder Hilfsmittel, die von außen betrachtet weniger ins Auge stechen. Der Gedanke von operierenden Robotern hingegen scheint aktuell noch in der Ferne zu liegen, wenn er auch durchaus umsetzbar wäre. Und selbst, wenn ein Roboter vorhanden wäre, müsste sich die medizinische Ausbildung drastisch verändern, damit Chirurgen überhaupt mit ihm umgehen könnten.

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