Orthokin-Methode: Medikament aus Patientenblut

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Es ist eine innovative, wenn auch umstrittene Therapieform. Die 1996 entwickelte Orthokin-Methode nutzt patienteneigenes Blut zu Gewinnung von Wirkstoffmischungen gegen eine Reihe orthopädischer Krankheitsbilder. Mediziner nennen die aus dem Eigenblut gewonnene Substanz autolog konditioniertes Serum (ACS). ACS wird – wie erwähnt – aus dem Blut des Patienten gewonnen und anschließend in eine sogenannte Orthokin-Spritze aufgezogen.

Diese ist mit winzigen Glaskügelchen gefüllt, die durch mechanische Reibung bestimmte weiße Blutkörperchen und Blutplättchen zur Produktion von antientzündlichen Verbindungen (vor allem IL-1RA) und Wachstumsfaktoren anregen. Die Herstellung von ACS erfolgt am Ort des Geschehens, also in Arztpraxen und Kliniken. Das so behandelte Serum wird direkt in die erkrankte, entzündete oder verletzte Körperregion gespritzt.

Studien bescheinigen gute Wirksamkeit

Gerade bei Osteoarthritis scheint die Orthokin-Methode respektable Ergebnisse hervorzubringen. In klinischen Studien gab über 70 Prozent der Probanden nach drei Monaten eine deutliche Schmerzlinderung an. Nach einem halben Jahr zeigten sich die Schmerzen weiter rückläufig. Im Vergleich zu Placebo-Medikamenten schnitt das ACS damit signifikant besser ab. Gute Ergebnisse erzielten Ärzte zudem bei Patienten mit einer radikulären Kompression oder einer Tunnelverbreiterung nach Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes.

Aber auch typische Sportverletzungen sind ein mögliches Einsatzgebiet der Orthokin-Methode: Untersuchungen an Athleten zeigten bei Anwendung von ACS eine deutliche Verkürzung der Erholungszeit auf. Am Tiermodell mit Ratten bestätigte sich zudem eine günstige Wirkung von ACS auf Sehnenverletzungen. Die mit dem Serum behandelten Sehnen waren schneller wieder belastbar. Auch die Sehnensteifigkeit ließ schneller nach.

Vielversprechend, experimentell, umstritten

Nach derzeitiger Studienlage sind es vor allem Patienten mit stark ausgeprägter Symptomatik, die von der Orthokin-Methode profitieren. Kein Effekt ließ sich dagegen bei nachhaltigen Knorpelschäden feststellen. Einmal beschädigter Knorpel ließ sich durch ACS nicht wieder regenerieren. Obwohl sich die Orthokin-Methode als nebenwirkungsarm und vielversprechend erwiesen hat, sind weitere Untersuchungen notwendig. Vor allem die genauere Zusammensetzung des ACS ist von großem Interesse für die Forschung.

Eigenblut bietet viel therapeutisches Potenzial

Nicht nur in der Orthopädie nutzen Mediziner das Blut des Patienten, um ihm dies – aufbereitet – anschließend wieder zu injizieren. Es gibt eine große Bandbreite an Eigenblutbehandlungen, deren Wirksamkeit unter Experten teilweise kontrovers diskutiert wird. Hier einige Beispiele:

  • Unveränderten Eigenbluttherapie: Hier wird das entnommene Patientenblut lediglich für einige Stunde gekühlt und dem „Spender“ wieder zurückgegeben.
  • Aufbereitetes Eigenblut: Hier wird dem Patienten Blut entnommen und anschließend mit einem (häufig homöopathischen) Wirkstoff angereichert und wieder in den Organismus gespritzt. Häufige Anwendungsgebiete sind Infektionen und Allergien.
  • Ozon-Eigenbluttherapie: Hierbei wird das Blut mit Ozon angereichert. Dieses eigentlich giftige Gas verfügt unter anderem über antibakterielle und durchblutungsfördernde Eigenschaften. Das Verfahren kommt bei einer Reihe von Erkrankungen (entzündliche Darmerkrankungen, Virusinfektionen), Wunden und Hautpilzen zur Anwendung.

Die individuelle Wirksamkeit ist unter Medizinern umstritten. In jedem Fall hilft hier ein Arzt-Patienten-Gespräch, um die richtige Entscheidung für eine wirksame Therapie zu treffen.

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