Der medizinische Begriff Adnex stammt vom lateinischen adnexa und bedeutet sinngemäß „Anhängsel“ oder „Anhangsgebilde“. In der medizinischen Fachsprache wird er insbesondere für die paarigen Strukturen verwendet, die sich seitlich der Gebärmutter im kleinen Becken befinden: Eileiter (Tubae uterinae) und Eierstöcke (Ovarien). Diese Strukturen sind zentraler Bestandteil des weiblichen Fortpflanzungssystems und spielen sowohl anatomisch als auch funktionell eine wichtige Rolle.
In einem weiteren, allgemeineren Sinn kann der Begriff „Adnex“ auch für Anhangsgebilde anderer Organe verwendet werden – etwa für Hautadnexe wie Haarfollikel oder Talgdrüsen. Der Begriff ist jedoch heutzutage in erster Linie gynäkologisch geprägt.
Anatomie des Adnex – Lage und Strukturen
Das Adnex befindet sich im kleinen Becken beidseits der Gebärmutter. Es ist in das breite Mutterband (Ligamentum latum uteri) eingebettet, das mehrere wichtige Leitungsstrukturen enthält. Das Adnex besteht vorrangig aus zwei Komponenten:
- Ovarien: Die Eierstöcke sind paarige, etwa 3–5 cm große Organe. Sie dienen als Hormonproduzenten (Östrogene, Progesteron) und beherbergen die Eizellen.
- Tuben (Eileiter): Diese muskulären Röhren sind etwa 10–15 cm lang und bestehen aus vier Abschnitten – Infundibulum, Ampulla, Isthmus und Pars uterina. Sie transportieren die Eizelle nach dem Eisprung in Richtung Uterus.
Beide Strukturen sind über Haltebänder wie das Ligamentum ovarii proprium, das Mesosalpinx und das Ligamentum suspensorium ovarii an die umgebenden Organe angebunden und gut vaskularisiert.
Funktion der Adnexstrukturen
Das Adnex erfüllt mehrere zentrale Aufgaben im weiblichen Zyklus:
- Hormonproduktion in den Ovarien zur Steuerung des Zyklus
- Reifung und Freisetzung von Eizellen
- Transport der Eizelle durch die Tube zur Gebärmutter
- Ermöglichung der Befruchtung im Eileiter
Ein funktionierendes Zusammenspiel zwischen Ovar und Tube ist entscheidend für die weibliche Fertilität. Funktionsstörungen im Adnex sind daher eine häufige Ursache von Unfruchtbarkeit.
Erkrankungen und Störungen im Bereich des Adnex
Das Adnex kann von zahlreichen Erkrankungen betroffen sein. Die Symptome reichen von akuten Schmerzen bis zu chronischen Unterbauchbeschwerden. Zu den häufigsten Krankheitsbildern zählen:
Häufige Erkrankungen des Adnex
- Adnexitis: Entzündung von Tube und/oder Ovar, meist bakteriell bedingt
- Adnextorsion: Akute, schmerzhafte Drehung der Adnexorgane um ihre Gefäßachse
- Ovarialzysten: Flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, oft hormonell bedingt
- Adnexkarzinome: Bösartige Neubildungen, insbesondere Ovarialkarzinome
- Endometriose: Gebärmutterschleimhaut außerhalb des Uterus, auch im Bereich des Adnex
Diese Erkrankungen treten mit unspezifischen Symptomen auf, was die Diagnose häufig erschwert.
Diagnostik bei Adnexveränderungen
Die klinische Untersuchung wird ergänzt durch moderne bildgebende Verfahren:
- Sonografie (transvaginal oder abdominal) zur ersten Orientierung
- MRT zur genaueren Beurteilung unklarer Befunde
- Laparoskopie zur direkten visuellen Darstellung des Adnex bei chronischen Beschwerden oder unklaren Tastbefunden
Diese Methoden erlauben eine genaue Beurteilung von Lage, Struktur und eventuellen Veränderungen des Adnex.
Therapieoptionen bei Adnexerkrankungen
Je nach Ursache, Alter der Patientin und Kinderwunsch kommen unterschiedliche Therapieformen zum Einsatz:
- Konservative Maßnahmen wie Antibiotikatherapie bei Infektionen
- Hormonelle Regulation bei funktionellen Zysten
- Operative Eingriffe bei Tumoren, Endometriose oder Torsion
In vielen Fällen kann organerhaltend operiert werden, etwa durch Zystenentfernung (Zystektomie) oder partielle Ovarektomie. Bei malignen Befunden ist oft eine Entfernung des gesamten Adnex notwendig.
Das Adnex in der Embryonalentwicklung
Bereits in der Embryonalzeit differenzieren sich die Ovarien und Tuben aus dem Müller-Gang (Ductus paramesonephricus). Dieser Entwicklungsweg ist eng mit der Ausbildung der inneren Geschlechtsorgane verknüpft. Anomalien in dieser Phase können Fehlbildungen wie fehlende oder doppelt angelegte Tuben oder Ovarien verursachen und die spätere Fruchtbarkeit beeinflussen.
Quellen
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- Langman J. Medizinische Embryologie. 13. Aufl. München: Elsevier; 2021.
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