Was bedeutet Akinese?
Akinese ist ein medizinischer Fachbegriff für das vollständige Fehlen oder die starke Einschränkung willkürlicher Bewegungen. Obwohl Betroffene grundsätzlich bewegungsbereit sind, gelingt es ihnen nicht, Bewegungen zu initiieren oder fortzusetzen. Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen („a“ = ohne, „kinesis“ = Bewegung) und beschreibt den Zustand der Bewegungslosigkeit.
In der klinischen Neurologie gehört Akinese zu den hypokinetischen Bewegungsstörungen. Besonders häufig tritt sie im Rahmen neurodegenerativer Erkrankungen auf, allen voran bei der Parkinson-Krankheit.
Akinese bei Parkinson: Ein zentrales Leitsymptom
Die Akinese ist eines der Hauptsymptome des idiopathischen Parkinson-Syndroms. Charakteristisch ist ein stark verzögerter Bewegungsbeginn oder das plötzliche Einfrieren von Bewegungsabläufen. Besonders deutlich zeigt sich dies beim Gehen: Patienten bleiben wie „festgefroren“ stehen, obwohl sie bewusst weiterlaufen wollen. Diese sogenannten Freezing-Episoden sind nicht nur belastend, sondern auch sturzgefährdend.
Weitere typische Erscheinungsformen der Akinese im Alltag:
- Schwierigkeiten beim Aufstehen oder Umdrehen im Bett
- Eingeschränkte Mimik, oft als „maskenhaftes Gesicht“ beschrieben
- Reduzierte Gestik und spontane Bewegungen
- Leise, monotone Sprache
Diese Symptome entwickeln sich schleichend und werden oft erst spät als pathologisch erkannt.
Ursachen: Warum entsteht Akinese?
Die Hauptursache der Akinese liegt in einer gestörten Steuerung von Bewegungsimpulsen im zentralen Nervensystem. Besonders betroffen ist die sogenannte Basalganglienschleife, die über Dopamin vermittelt wird. Bei Parkinson-Patienten sterben dopaminproduzierende Nervenzellen in der Substantia nigra ab. Der Dopaminmangel behindert die normale Bewegungskoordination, was zur Akinese führen kann.
Neben Parkinson gibt es auch andere Erkrankungen, bei denen Akinese auftreten kann:
- Multisystematrophie (MSA)
- Progressive supranukleäre Blickparese (PSP)
- Lewy-Body-Demenz
- Medikamenteninduzierte Parkinsonismen (z. B. durch Neuroleptika)
Abgrenzung: Akinese, Bradykinese und Hypokinese
In der klinischen Praxis ist es wichtig, Akinese von verwandten motorischen Symptomen zu unterscheiden. Bei einer Bradykinese handelt es sich um eine verlangsamte Bewegungsausführung. Hypokinese beschreibt eine verminderte Bewegungsamplitude, also kleinere, kraftlosere Bewegungen. Akinese hingegen bezeichnet das vollständige Fehlen einer Bewegung trotz innerem Bewegungswillen. Diese Unterscheidung ist entscheidend für die gezielte Therapieplanung.
Wie wird die Bewegungsstörung diagnostiziert?
Die Diagnostik erfolgt hauptsächlich klinisch, also durch eine sorgfältige neurologische Untersuchung. Der behandelnde Arzt beurteilt dabei vor allem:
- Wie schnell und flüssig der Patient Bewegungen ausführen kann
- Ob es Pausen oder Blockaden während der Bewegung gibt
- Ob sich Bewegungsstörungen bei wiederholten Aufgaben verstärken
Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie die DaT-SPECT durchgeführt werden, um einen Dopaminmangel sichtbar zu machen.
Therapie: Was hilft bei Akinese?
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Im Falle des Morbus Parkinson stehen Medikamente im Vordergrund, die den Dopaminmangel ausgleichen.
Therapieoptionen:
- L-Dopa: Der Goldstandard zur symptomatischen Behandlung
- Dopaminagonisten: Aktivieren Dopaminrezeptoren direkt
- MAO-B-Hemmer: Verlangsamen den Abbau von Dopamin
- Tiefe Hirnstimulation (THS): Bei therapieresistenter Akinese
- Physiotherapie und Ergotherapie: Bewegungstraining, Verbesserung der Koordination
- Logopädie: Bei begleitender Sprachverarmung und Schluckstörung
Multimodale Therapieansätze haben sich als besonders wirksam erwiesen. Wichtig ist ein individuell zugeschnittener Behandlungsplan, der sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Maßnahmen kombiniert.
Akinese außerhalb der Neurologie: Totstellreflex bei Tieren
In einem anderen Kontext tritt Akinese auch im Tierreich auf – dort allerdings als Überlebensstrategie. Viele Tiere zeigen bei Gefahr eine reflexartige Bewegungslosigkeit, die sogenannte tonische Immobilität. Diese wird auch als Totstellreflex bezeichnet.
Beispiele aus der Tierwelt:
- Käfer und andere Insekten stellen sich bei Berührung tot
- Reptilien und Amphibien verfallen in eine starre Haltung
- Vögel zeigen bei Bedrohung bewegungslose Schockstarre
Dieser Reflex hat mit der neurologisch bedingten Akinese beim Menschen nichts gemein, wird aber manchmal umgangssprachlich verwechselt.
Prognose und Verlauf
Die Akinese ist bei Parkinson nicht heilbar, kann aber durch frühzeitige Therapie und konsequente Behandlung deutlich gemildert werden. Ziel ist es, die Selbstständigkeit und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Der Verlauf hängt stark von der Grunderkrankung, dem Therapiebeginn und der individuellen Reaktion auf Medikamente ab.
Quellen
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