Die Albumine zählen zu den wichtigsten Proteinen im menschlichen Blutplasma. Sie machen rund 60 % aller Plasmaproteine aus und übernehmen vielfältige, lebenswichtige Aufgaben. Dazu gehört vor allem die Aufrechterhaltung des onkotischen Drucks, also des osmotischen Gleichgewichts zwischen Blutgefäßen und Gewebe. Auch als Transport- und Pufferproteine spielen Albumine eine zentrale Rolle im Stoffwechsel.

Eine Abweichung vom Normalwert der Albumine – etwa durch Lebererkrankungen, Mangelernährung oder Nierenschäden – kann weitreichende gesundheitliche Folgen haben. Im folgenden Artikel erfahren Sie, welche Funktionen Albumine erfüllen, wie sie im Körper gebildet werden und welche Ursachen Störungen im Albuminhaushalt haben können.

Was sind Albumine?

Albumine sind wasserlösliche Proteine mit einem Molekulargewicht von etwa 66 kDa. Sie werden ausschließlich in der Leber synthetisiert und gelangen anschließend ins Blutplasma, wo sie vielfältige Aufgaben übernehmen.

Die physiologische Konzentration von Albuminen im Blut beträgt etwa 35–50 g/L. Aufgrund ihrer hohen Konzentration tragen sie entscheidend zum kolloidosmotischen Druck des Plasmas bei – also dem Sog, der Wasser in den Gefäßen hält.

Zu den wichtigsten Funktionen von Albuminen zählen:

  • Regulation des Flüssigkeitsgleichgewichts (onkotischer Druck)
  • Transport von unlöslichen Substanzen (z. B. Fettsäuren, Hormone, Medikamente)
  • Pufferung des Blut-pH-Werts
  • Antioxidative Effekte durch Bindung freier Radikale

Die Rolle der Albumine im Flüssigkeitshaushalt

Ein zentrales Merkmal der Albumine ist ihre Fähigkeit, Wasser zu binden. Dies ermöglicht ihnen, Flüssigkeit im Gefäßsystem zu halten und ein Gleichgewicht mit dem umliegenden Gewebe aufrechtzuerhalten.

Ist der Wassergehalt einer Zelle höher als in ihrer Umgebung, wird ein Teil der Flüssigkeit durch den Blutdruck in den Zwischenzellraum abgegeben. Die Albumine binden dieses Wasser und sorgen gleichzeitig dafür, dass bei Bedarf Flüssigkeit zurück in die Zelle oder in den Gefäßraum transportiert wird. Dieses Wechselspiel ist entscheidend für:

  • die Verhinderung von Ödemen
  • die Blutvolumenstabilität
  • eine ausreichende Gewebsversorgung

Ursachen für veränderte Albuminwerte

Ein gestörter Albuminhaushalt kann sowohl als Hypoalbuminämie (zu wenig Albumin im Blut) als auch seltener als Hyperalbuminämie (zu viel Albumin) auftreten.

Häufige Ursachen für Hypoalbuminämie sind:

  • Chronische Lebererkrankungen (z. B. Leberzirrhose)
  • Nephrotisches Syndrom (Verlust von Eiweiß über den Urin)
  • Entzündliche Erkrankungen (z. B. Sepsis, chronische Entzündungen)
  • Malnutrition und Kachexie bei Tumorerkrankungen
  • Verbrennungen mit hohem Flüssigkeitsverlust

Mögliche Symptome und Folgen:

  • Ödeme
  • Hypotonie (niedriger Blutdruck)
  • Verzögerte Wundheilung
  • Schwäche, Gewichtsverlust
  • Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen

Hyperalbuminämie tritt in der Regel nur bei starker Dehydration auf und hat selten pathologischen Charakter.

Diagnostik und therapeutische Relevanz von Albuminen

Die Bestimmung der Albuminkonzentration im Blut ist ein Standardverfahren in der klinischen Labordiagnostik. Dabei wird meist ein Serumprotein-Elektrophorese-Test oder ein spezifischer Albumin-Assay durchgeführt.

In der klinischen Praxis sind Albuminwerte bedeutsam bei:

  • Kontrolle des Ernährungsstatus
  • Verlaufskontrolle bei Leber- und Nierenerkrankungen
  • Therapieplanung bei Sepsis oder schweren Operationen
  • Entscheidung über die Gabe von Albuminlösungen als Volumenersatz

Die therapeutische Gabe von Humanalbumin erfolgt meist bei schwerer Hypoalbuminämie oder bei massiven Flüssigkeitsverschiebungen, wie sie z. B. bei Verbrennungen, Peritonitis oder Leberzirrhose mit Aszites auftreten können.

Fazit: Warum Albumine medizinisch so bedeutsam sind

Albumine sind weit mehr als einfache Transportmoleküle. Sie stabilisieren den Kreislauf, halten den Blutdruck aufrecht und verhindern Flüssigkeitsverlust aus den Gefäßen. Eine Veränderung ihrer Konzentration kann ein wertvoller diagnostischer Hinweis auf systemische Erkrankungen sein – insbesondere der Leber, Nieren oder bei entzündlichen Prozessen.

Die regelmäßige Überprüfung der Albuminwerte ist daher in vielen Fachbereichen – von der Inneren Medizin bis zur Intensivmedizin – ein zentraler Bestandteil der Diagnostik und Therapieplanung.

Quellen

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