Ursachen, Symptome und moderne Behandlungsmöglichkeiten der Analfissur

Eine Analfissur ist ein schmerzhafter Einriss in der Schleimhaut des Analkanals. Sie zählt zu den häufigsten Erkrankungen der Proktologie und kann in akuter oder chronischer Form auftreten. Typische Beschwerden sind stechende Schmerzen beim Stuhlgang, die oft noch längere Zeit anhalten, sowie Blutauflagerungen am Toilettenpapier. Obwohl die Erkrankung sehr unangenehm ist, stehen heute zahlreiche wirksame Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die eine vollständige Heilung ermöglichen.

Definition und Entstehung

Unter einer Analfissur versteht man einen länglichen Riss der Analschleimhaut, der fast immer in der hinteren Mittellinie des Analkanals liegt. Auslöser ist meist eine mechanische Überdehnung: Harter Stuhl, chronische Verstopfung oder starkes Pressen können die empfindliche Schleimhaut verletzen. Wiederholte Durchfälle und entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn begünstigen die Entstehung ebenfalls. Auch eine schlechte Durchblutung im Bereich des Analkanals spielt eine Rolle, da sie die Heilung erschwert.

Symptome einer Analfissur

Das führende Symptom ist ein plötzlich einsetzender, stechender Schmerz beim Stuhlgang. Dieser kann so stark sein, dass Betroffene aus Angst vor erneuten Schmerzen den Stuhlgang hinauszögern – was die Beschwerden jedoch weiter verschlimmert. Zusätzlich treten häufig auf:

  • Helles Blut auf dem Toilettenpapier oder auf dem Stuhl
  • Brennende Schmerzen, die Stunden nach dem Stuhlgang anhalten können
  • Verkrampfung des Schließmuskels, was die Heilung verzögert

Chronische Analfissuren sind daran zu erkennen, dass die Beschwerden über mehrere Wochen bestehen und sich zusätzlich kleine Hautläppchen (sogenannte Vorpostenfalten) am After bilden.

Diagnose

Die Diagnose wird in der Regel durch eine sorgfältige körperliche Untersuchung gestellt. Ein erfahrener Arzt erkennt eine Analfissur meist bereits durch vorsichtiges Auseinanderziehen der Gesäßbacken. Bei starken Schmerzen kann eine genaue Untersuchung unter lokaler Betäubung oder Narkose erforderlich sein. Begleiterkrankungen wie Hämorrhoiden oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen müssen ausgeschlossen werden.

Behandlung der Analfissur

Die Therapie hängt davon ab, ob es sich um eine akute oder chronische Analfissur handelt. Ziel ist es, die Schleimhaut zu heilen, die Schmerzen zu lindern und Rückfällen vorzubeugen.

Konservative Maßnahmen

Bei einer frischen Analfissur stehen nicht-operative Methoden im Vordergrund:

  • Stuhlregulation durch ballaststoffreiche Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ggf. milde Abführmittel
  • Sitzbäder mit warmem Wasser zur Entspannung des Schließmuskels und Schmerzlinderung
  • Schmerzstillende und durchblutungsfördernde Salben (z. B. mit Nitroglyzerin oder Kalziumantagonisten), die eine bessere Heilung ermöglichen

Operative Therapie

Wenn konservative Maßnahmen nach mehreren Wochen keinen Erfolg zeigen oder eine chronische Fissur vorliegt, kann ein operativer Eingriff erforderlich werden. Häufig wird dabei das vernarbte Gewebe entfernt (Fissurektomie). In seltenen Fällen wird zusätzlich eine Schließmuskelspaltung (Laterale interne Sphinkterotomie) vorgenommen, um den Schließmuskel zu entlasten und die Heilung zu fördern.

Prognose

Die Heilungschancen einer Analfissur sind bei rechtzeitiger Behandlung sehr gut. Akute Fissuren heilen in der Mehrzahl der Fälle innerhalb weniger Wochen vollständig ab. Chronische Fissuren erfordern oftmals eine intensivere Behandlung, führen jedoch ebenfalls in den meisten Fällen zu einer dauerhaften Beschwerdefreiheit. Je früher Betroffene ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, desto größer sind die Chancen auf eine unkomplizierte Heilung ohne Rückfall.

Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen zielen darauf ab, den Stuhlgang zu erleichtern und die Schleimhaut im Analkanal zu schonen. Dazu gehören:

  • Eine ballaststoffreiche Ernährung mit reichlich Obst, Gemüse und Vollkornprodukten
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Regelmäßige Bewegung zur Förderung der Darmtätigkeit
  • Vermeidung von starkem Pressen auf der Toilette

Auch ein bewusster Umgang mit Stress, der den Darm beeinflussen kann, wirkt unterstützend. Eine gesunde Verdauung ist der wichtigste Schritt, um das Risiko für eine erneute Analfissur dauerhaft zu senken.

Quellen

  • Herold A. Coloproktologie. Springer Medizin Verlag; 2020.
  • Schuster MM, Almy TP. Anal fissure: pathophysiology and treatment. N Engl J Med. 2021;384(12):1159–1168.
  • Menteş BB, Irkörücü O, Akin M. Management of chronic anal fissure: results of 70 consecutive cases. Dis Colon Rectum. 2003;46(6):777–780.