Kurzsichtig durch Smartphones

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Kurzsichtigkeit oder Myopie breitet sich unter Jüngeren Menschen rapide aus. In Europa sind nur 16 % der 65 bis 69-jährigen kurzsichtig. Bei den 55 bis 50-jährigen sind es bereits 28 % und bei den 25 bis 29-jährigen 47 %. Durchschnittlich leidet in Deutschland jeder vierte an Kurzsichtigkeit. Schätzungen gehen davon aus, dass bis 2050 etwa 5 Milliarden Menschen kurzsichtig sein werden, etwa die Hälfte der Weltbevölkerung. Besonders in Asien ist der Anteil bereits überdurchschnittlich hoch, in Hong Kong, Shanghai und Seoul sind 95 % der Bevölkerung kurzsichtig.

Kurzsichtigkeit kann erst der Anfang sein

Von Kurzsichtigkeit spricht man, wenn der Augapfel "zu lang" und dadurch der Brechwert der Linse zu hoch für ein scharfes Bild sind. Die einfallenden Lichtstrahlen bündeln sich bereits vor der Netzhaut, was zu einem Abbildungsfehler führt. Entfernte Objekte erscheinen unschärfer als nahe gelegene. Mit Brillen und Kontaktlinsen, eine Augenlaserbehandlung oder bei starker Kurzsichtigkeit eine Linsenimplantation lässt sich dieses Abbild zwar korrigieren, rückgängig machen lässt sich Kurzsichtigkeit nicht.

Ab einer Kurzsichtigkeit von minus 6 Dioptrien steigt das Risiko weiterer Augenerkrankungen wie Grauer oder Grüner Star sowie die einer Netzhautablösung. Das Auge wird dünnwandig, die Netzhaut schlechter durchblutet und anfällig für Degeneration. Etwa 5 % der Bevölkerung in Deutschland besitzt einen Wert von mehr als minus sechs Dioptrien, normal wären 1-2 % zu erwarten.

Grüner Star: wenn das Blickfeld immer kleiner wird

Eine zweite auffällige Zunahme von Erkrankungen betrifft den Grünen Star oder Glaukom. Dabei wird der Sehnerv nach und nach zerstört und das Gesichtsfeld schrumpft. Die etwa eine Million Nervenfasern, die das Auge mit dem Gehirn verbinden, sterben allmählich ab. Neben zu hohem Augeninnendruck als Ursache gibt es auch das "Normaldruckglaukom", bei dem die Nervenfasern keinem erhöhten Augeninnendruck ausgesetzt sind. Eine mögliche Ursache könnte zu geringer Blutdruck im Sehnervkopf etwa durch Betablocker sein. Über eine Million Menschen sind in Deutschland von Grünem Star betroffen. Hilfreich sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen etwa ab dem 40. Lebensjahr bei einem Augenarzt.

Fokussierung auf kurze Distanz lässt keine Entspannung zu

Eine Verbindung von Augenerkrankungen, insbesondere Kurzsichtigkeit und digitalen Medien ist zwar evident, aber noch nicht abschließend nachgewiesen. Dabei ist die Gleichung "kleines Display – verzerrter Blick" nicht ganz so einfach. Ist die Distanz zum fokussierten Gegenstand geringer als 30 cm, steigt das Risiko von Kurzsichtigkeit. Dies gilt besonders beim Lesen von Büchern, wenn der Blick nicht manchmal in die Ferne abschweift, um das Auge zu entspannen.

Nahe Displays verändern unsere Sehgewohnheiten

Was beim Starren auf ein Buch schädlich und anstrengend ist, ersetzen beim Smartphone bunte Pixel und bewegte Bilder, die vom Auge eine Konzentration erwarten. Die Fokussierung auf kurze Abstände regt das Längenwachstum des Augapfels an. Das Auge passt sich der andauernden Herausforderung an mit der Folge, dass entferntere Objekte zunehmend unscharf erscheinen, weil die Sichtweitenregulierung immer schlechter funktioniert.

Mangelndes Tageslicht lässt Augapfel wachsen

Hinzu kommt die zunehmende Nutzung von Computern und Smartphones in geschlossenen Räumen. Hier beträgt die Intensität des Lichtes gerade einmal 300 bis 500 Lux, während die Lichtstärke im Freien bei etwa 100.000 Lux liegt. Fällt viel Tageslicht auf die Netzhaut, schüttet Sie den Neurotransmitter Dopamin aus, der das Längenwachstum des Augapfels hemmt. Die Verbindung zwischen mangelndem Tageslicht und Kurzsichtigkeit ist aus skandinavischen Ländern bei nicht aufsteigender Sonne belegt.

Pausen im Freien und Blick in die Ferne entspannen das Auge

Mediziner empfehlen, bei Bildschirmsitzungen alle zehn Minuten in die Ferne zu schauen, Kinder sollten mindestens zwei Stunden täglich im Freien verbringen. Neben der Helligkeit und den Objekten in unterschiedlichen Entfernungen tragen auch die Bewegung und die frische Luft im Freien zum Erhalt des Sehvermögens bei. In Taiwan konnten Forscher die Kurzsichtigkeit unter Schulkindern um 50 % verringern, indem die Kinder täglich 80 Minuten an die frische Luft geschickt wurden.

  • Zur Vorbeugung von Kurzsichtigkeit sollte die tägliche Smartphone-Nutzung grundsätzlich reduziert werden.
  • Für längere Arbeiten oder das Schauen von Filmen sollte ein größerer PC-Monitor genutzt werden.
  • Der Abstand vom Auge zum Display sollte mindestens 30 cm betragen, besser sind größere Entfernungen.
  • Häufige Blicke in die Ferne bei Bildschirmarbeit entspannen Augapfel und Muskulatur.
  • Regelmäßige Pausen und der Aufenthalt im Freien entlasten von der Fokussierung.

Untersuchung beim Augenarzt für rechtzeitige Prävention

Wer sein Smartphone ständig nutzt oder an einem digitalen Arbeitsplatz tätig ist, sollte seine Sehkraft regelmäßig von einem Augenarzt untersuchen lassen. Das gilt auch für Kinder und Jugendliche, der größten Zielgruppe von Displays. Die Artemis-Augenärzte in Frankfurt/Main sind beispielsweise auf die Kurzsichtigkeit von Patienten jeden Alters spezialisiert. Ihnen geht es nicht nur um eine präzise Diagnose, von der Korrekturmöglichkeiten wie Brille, Kontaktlinsen oder Laserbehandlung abhängen.

Änderungen der Lebensgewohnheiten können Kurzsichtigkeit vermeiden

Verantwortungsbewusste Augenärzte widmen sich auch der Prävention von Kurzsichtigkeit. In ausführlichen Beratungsgesprächen wird geklärt, durch welche individuellen Verhaltensänderungen einer Schädigung des Auges vorgebeugt werden kann. Das kann von Smartphone-Nutzungsübungen über Online-Suchtberatung bis zu Veränderungen des Arbeitsplatzes oder der täglichen Bewegungsabläufe reichen. Lassen Sie Ihr Sehvermögen von einem kompetenten Augenarzt prüfen und sich bei Kurzsichtigkeit beraten. So vermeiden Sie auch schwerere Folgeerkrankungen.

Kategorie:Magazin