Sildenafil unterstützt die Erektionsfähigkeit

AUS: MEDIZIN-LEXIKON.DE

Errektionsfähigkeit

Sildenafil ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der PDE-5-Hemmer zur Behandlung der erektilen Dysfunktion (Erektionsstörung) beim Mann. Die Verbindung wird außerdem gegen verschiedene Formen der arteriellen Hypertonie (Lungenhochdruck) eingesetzt. Der Wirkungsmechanismus beruht, vereinfacht gesagt, auf einer Durchblutungssteigerung der Schwellkörper im Penis. Hierdurch erlangt dieser wieder die für einen Geschlechtsverkehr notwendige Rigidität (Steifigkeit).

Sildenafil ist der erste Vertreter aus der Wirkstoffgruppe der PDE-5-Hemmer, von denen es heute noch eine ganze Reihe weiterer Arzneimittel gibt. Ursprünglich sollte der Name Viagra als Überbegriff für die gesamte Wirkstoffgruppe verwendet werden.

Geschichte

Bei Untersuchungen für einen neuen Wirkstoff gegen Herzbeschwerden beobachteten Forscher der Firma Pfizer Anfang der 1990er-Jahre, dass die männlichen Probanden durch den Wirkstoff häufige Erektionen zeigten. Dieser Effekt wurde dann später pharmakologisch genutzt, während eine messbare Wirkung auf das Herz nicht feststellbar war. Viagra wurde im Jahr 1998 vom US-amerikanischen Pharmaunternehmen Pfizer auf den Markt gebracht und ist seitdem gegen die erektile Dysfunktion zugelassen.

Acht Jahre später, 2006, kam eine weitere Indikation hinzu. Seither ist Viagra® – allerdings unter anderem Namen – auch gegen die idiopathische pulmonal-arterielle Hypertonie zugelassen.

Anwendungsgebiete

Die erektile Dysfunktion

Die erektile Dysfunktion beschreibt die verminderte Fähigkeit des Mannes zur Erlangung einer für den Geschlechtsverkehr ausreichenden Erektion. Liegt die Ursache in einer verminderten Schwellkörperdurchblutung, kann Sildenafil hier eine deutliche Verbesserung der Beschwerden bewirken.

Die idiopathische pulmonal-arterielle Hypertonie

Auch bei dieser Erkrankung macht man sich die vasodilatatorische (gefäßerweiternde) Wirkung von Sildenafil zunutze. Im Rahmen der idiopathischen pulmonal-arteriellen Hypertonie ist der Gefäßwiderstand im Lungenkreislauf erhöht, was wiederum zu einer Blutdrucksteigerung führt. Diese Effekte können durch Sildenafil vermindert werden.

Weitere Indikationen

Außerhalb der Arzneimittelzulassungen (Off-Label-Use) wird Sildenafil auch bei einer Reihe weiterer Erkrankungen eingesetzt. Das sind insbesondere:

  • Höhenkrankheit
  • Bronchopulmonale Dysplasie
  • Sklerodermie

Wirkungsmechanismus

Die Wirkung von Sildenafil als Vertreter der PDE-5-Hemmer beruht auf einem komplexen Zusammenspiel von Enzymen und Botenstoffen. Die Bezeichnung der Wirkstoffgruppe bezieht sich auf eine pharmakologische Hemmung der Phosphodiesterase V. Die Erektion des Penis wird in erster Linie durch Stickstoffmonoxid (NO) vermittelt. Um aber wirklich entspannend auf die glatten Gefäßmuskelzellen wirken zu können, wird sein Effekt durch einen sogenannten Second-Messenger – in diesem Fall cGMP – verstärkt bzw. vermittelt.

Dem cGMP (cyclisches Guanosinmonophosphat) kommt also eine entscheidende Bedeutung in der Entstehung der Erektion zu. Das Enzym Phosphodiesterase V wiederum baut cGMP ab, schwächt also insgesamt die NO-Wirkung und damit die Erektion. Genau hier setzt Sildenafil an, in dem es diesen Biokatalysator hemmt. Die Folge ist eine leichtere Vasodilatation und damit eine verbesserte Erektionsfähigkeit.

Nebenwirkungen

Sildenafil wird meistens gut vertragen, aber dennoch können gelegentlich Nebenwirkungen auftreten. Am häufigsten klagen Anwender über Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden und ein allgemeines Hitzegefühl. Manchmal zeigen sich eine diffuse Rötung des Oberkörpers und Gliederschmerzen. Sehr selten kommt es zu Sehstörungen und Muskelschmerzen. Eine verstopfte Nase kommt vor, ist aber harmlos. Eine sehr seltene, aber problematische Nebenwirkung ist der Priapismus. Es handelt sich dabei um eine schmerzhafte Dauererektion, die sofortiger ärztlicher Hilfe bedarf. Andernfalls drohen dauerhafte Schäden am Schwellkörper.

Wechselwirkungen

Aufgrund des Metabolismus über das Cytochrom-P450-System kann es vereinzelt zu Wechselwirkungen mit jenen Medikamenten kommen, die über denselben Mechanismus verstoffwechselt werden. Gegebenenfalls problematisch kann die gleichzeitige Einnahme von Sildenafil mit folgenden Wirkstoffen sein:

  • Erythromycin
  • Cimetidin
  • Ketoconazol
  • Itraconazol
  • Saquinavir
  • Ritonavir

Kontraindikation

Eine bedeutende Kontraindikation für die Verwendung von Sildenafil und anderen PDE-5-Hemmern allgemein ist eine gleichzeitige Therapie mit Nitraten. Bekanntester Vertreter ist hier das Nitroglycerin, welches bei Angina-pectoris-Anfällen im Rahmen einer Koronaren Herzkrankheit angewendet wird. Beide Wirkstoffe wirken gefäßerweiternd und damit blutdrucksenkend. Die gleichzeitige Einnahme kann einen potenziell lebensbedrohlichen Blutdruckabfall zur Folge haben.

Auch Allergien gegen den Wirkstoff kommen vor. Vor der Behandlung mit Sildenafil ist zudem ärztlich abzuklären, ob eine eventuell bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankung die körperlichen Belastungen beim Geschlechtsverkehr möglicherweise einschränkt

Generika

Im Juni 2013 verlor Pfizer das Patent für Viagra. Seither sind zahlreiche Generika auf dem Markt.

Erstattungsfähigkeit

Viagra und andere Medikamente mit gleichem Wirkmechanismus werden als Medikament zur „Erhöhung der Lebensqualität“ auch bei diagnostizierter Erektionsstörung in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen.

Quellen

  • Hautmann R. Urologie. 4., überarbeitete und aktualisierte Aufgabe, Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2010