Mittelohrentzündung

aus: Medizin-Lexikon.de

“ (Otitis media) “

Einleitung

Die Mittelohrentzündung ist die häufigste Erkrankung des Ohres. Ihrer Verlaufsform nach unterscheidet man die akute und die chronische Mittelohrentzündung.

akute Mittelohrentzündung

Voraussetzung für ihre Entstehung ist die Infektion mit Krankheitserregern (Bakterien). Am häufigsten gelangen diese über die Ohrtrompete vom Nasenrachenraum aus in das Mittelohr, seltener über ein Loch im Trommelfell (Perforation), gelegentlich auch auf dem Blutweg. Eine weitere Voraussetzung ist die Struktur der Schleimhaut in der Paukenhöhle, die mehr oder weniger anfällig für bakterielle Infekte sein kann, meist auf ererbter (konstitutioneller) Grundlage. Eine dritte Voraussetzung ist die allgemeine Abwehrbereitschaft des Gesamtorganismus. Diese drei Faktoren bestimmen, ob und in welcher Stärke eine Mittelohrentzündung entsteht.

Symptome der akuten Mittelohrentzündung sind relativ plötzlich beginnende Ohrschmerzen, die stechend, drückend oder pulsierend sein können, häufig ein schneller Temperaturanstieg (besonders bei Kindern), Krankheitsgefühl, manchmal Übelkeit und Erbrechen, Appetitlosigkeit und Schwerhörigkeit. Oft beginnt die akute Mittelohrentzündung im Verlauf eines grippalen Infektes mit Schnupfen und Katarr. Das normalerweise graurötliche, spiegelnde Trommelfell wird hochrot und trüb und der lange Hammergriff verschwindet.

Entweder bildet sich durch die jetzt einsetzende Behandlung die Krankheit zurück, oder es entsteht die eigentliche Mittelohrvereiterung. Das Trommelfell wölbt sich infolge des Eiterdruckes vor und reißt entweder allein ein, wobei der Eiter durch den Gehörgang nach außen abfließen kann und Schmerzen sowie Temperatur meist schlagartig zurückgehen, oder der Arzt macht einen kleinen Schnitt in das Trommelfell (Parazentese), um dem Eiter Abfluss zu verschaffen. Am Anfang ist das Sekret mehr wässrig, später wird es schleimig-eitrig. Meist lässt die Sekretion nach acht bis 14 Tagen nach und versiegt dann ganz, das Trommelfell verschließt sich und die Mittelohrentzündung ist abgeheilt.

chronische Mittelohrentzündung

Ob und in welcher Form die chronische Mittelohrentzündung entsteht, hängt nicht zuletzt von der Ausbildung der Zellen im Warzenfortsatz, von der biologischen Struktur der Mittelohrschleimhaut und damit von der ererbten Anlage ab. Grundsätzlich neigen die Ohren, bei denen die Warzenfortsatzstellen wenig oder gar nicht ausgebildet sind (gehemmte oder fehlende Pneumatisation), eher zur chronischen Mittelohrentzündung.

Man unterscheidet nach der Art des Trommelfellschadens zwei streng voneinander getrennte Formen:

a) die relativ harmlose Schleimhauteiterung, bei der die Trommelfellmitte durchtrennt ist – als Zeichen dafür, dass sich die Entzündung im mittleren Teil der Paukenhöhle abspielt;

b) die gefährliche Knocheneiterung, bei der der Trommelfellrand defekt ist und die Entzündung sich im oberen Teil der Paukenhöhle abspielt, wobei es zur langsamen Zerstörung von Gehörknöchelchen und angrenzendem Knochen kommt.

Die Symptome sind bei beiden Formen ähnlich: jahrelanges Laufen der Ohren besonders bei katarralischen Infekten mit Abschnitten völliger Trockenheit dazwischen. Die Sekretmenge wechselt. Das Sekret ist bei der Schleimhauteiterung oft geruchlos, bei der Knocheneiterung fast immer aashaft stinkend. Es gibt dabei alle Grade der Schwerhörigkeit. Schmerzen fehlen meist.

Bei der Knocheneiterung kommt es zusätzlich zu Wucherungen der Schleimhaut (Polypen) und zum Einwachsen von Gehörgangsepithel mit Zerstörung des Knochens und Gefahr der Innenohrentzündung (Labyrinthitis), der Gehirnhautentzündung (Meningitis), der Gesichtsnervenlähmung (Fazialislähmung, siehe Fazialis) und des Einbruchs in die venösen Blutleiter des Gehirns.