Osteopatische Behandlung von Kiefergelenkstörungen

aus: Medizin-Lexikon.de

Eine Cranio Mandibuläre Dysfunktion/CMD oder Kiefergelenkstörung ist ein weitreichender Befund, aber noch keine klare Diagnose der Ursachen. Denn die oft schmerzhaften Fehlfunktionen des Kiefers können Ihren Ursprung sowohl im Mundraum, als auch in Haltungsstörungen oder psychischer Belastung haben. Umgekehrt kann eine Cranio Mandibuläre Dysfunktion auch Schmerz- und Bewegungsprobleme in vielen Körperregionen jenseits des Kiefers auslösen. Ursache und Wirkung der Beschwerden sind nicht immer einfach zu bestimmen.

CMD: Wenn die Kiefer aneinander vorbei kauen

Im Ergebnis treffen Ober- und Unterkiefer bei einer Cranio Mandibuläre Dysfunktion fehlerhaft aufeinander. Da die Kaumuskulatur des Menschen mit 400 bis 800 N die stärksten Kräfte des Körpers entwickelt, sind Fehlbisse nicht nur schmerzhaft. Ihre unphysiologische Lage führt auch zu erheblichen Verspannungen der Kaumuskulatur. Dies kann zu Folgeschäden an Kieferknochen und Gebiss, aber auch zu Auswirkungen auf den übrigen Körper führen.

Frühzeitige Zusammenarbeit von Zahnarzt und Osteopath sinnvoll

Deshalb ist bei einer Kiefergelenkstörung eine frühzeitige Zusammenarbeit von Zahnärzten, Kieferorthopäden, Orthopäden, Physiotherapeuten und Osteopathen sinnvoll. Etwa 8 % der Bevölkerung leiden unter einer Cranio Mandibulären Dysfunktion. Ihre Häufigkeit nimmt während der Pubertät besonders bei Mädchen zu, im höheren Alter werden CMD-Befunde seltener. Wie bei jeder Erkrankung gilt auch hier: je genauer die Diagnose, desto erfolgreicher kann die Therapie sein.

Die CMD-Symptome im Bereich des Kiefergelenks

  • eine eingeschränkte Kieferöffnung und zurückgehendes Zahnfleisch
  • Knacken und Reiben des Kiefers bei der Mundöffnung
  • Schluckbeschwerden, Stimmbandprobleme und Heiserkeit
  • Ohrenschmerzen, mitunter auch Tinnitus
  • Sehstörungen und Lichtempfindlichkeit

Jenseits des Kieferbereiches kann eine Cranio Mandibuläre Dysfunktion weitere Beschwerden in anderen Körperregionen verursachen, die aber auch andere Ursprünge haben können.

Weitere mögliche CMD-Folgen am gesamten Körper

  • Schwindelgefühle
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Nacken- und Schulterschmerzen
  • Wirbelsäulen- und Rückenbeschwerden
  • Gelenkschmerzen an Knie, Hüfte oder anderen Orten
  • Haltungsprobleme und Fehlstellungen
  • Taubheitsgefühle und Kribbeln in Armen oder Beinen
  • Bandscheibenprobleme durch anhaltende Fehlhaltungen

Individuelle Diagnose erforderlich

Dies sind nur die häufigsten Symptome eine Cranio Mandibuläre Dysfunktion. Da sie nicht zwingend und gemeinsam auftreten oder auch andere Ursachen haben können, ist eine CMD-Diagnose oft schwierig und die Therapie von Kiefergelenkstörungen meist vielschichtig. Neben der zahnmedizinischen Behandlung haben sich besonders osteopathische Methoden bewährt.

Osteopathen setzen bei Bewegungseinschränkungen an

Denn die Osteopathie geht davon aus, dass sich bei einem gesunden Menschen Körperstruktur und die einzelnen Körperfunktionen im Einklang befinden. Ist also die Kieferfunktion gestört, liegt dem eine Störung der Körperstruktur zugrunde. Genauer: Ungleichgewichte der Versorgungskreisläufe oder Verspannungen beeinträchtigen die Gewebeelastizität und Beweglichkeit. Dies kann zu weiteren Einschränkungen wie schmerzhaften Fehlhaltungen und einer Funktionsstörung der Selbstheilungskräfte des Körpers führen.

Osteopathie behandelt ausschließlich manuell

Die Osteopathie ergänzt sich mit der Schulmedizin, verzichtet aber selbst auf jegliche operativen Eingriffe oder Medikamente. Stattdessen sind seine Hände das Instrument des Osteopathen. Bei der Anamnese ertastet der Osteopath am ganzen Körper des Patienten die Beweglichkeit von Muskeln, Sehnen, Bändern und Faszien, die als dünne Gewebe alle Organe überziehen. Er erspürt Verspannungen und Stauungen, die er durch manuelle Therapien lösen kann.

Der gesamte Körper wird abgetastet

Der Osteopath unterscheidet zwischen aufsteigenden und absteigenden Ursache-Folge-Ketten im Körper, je nachdem, ob die CMD-Ursachen ober- oder unterhalb der Kieferknochen zu suchen sind. Fehlstellungen von Füßen oder Becken können durch Haltungsstörungen aufsteigende CMD-Ursachen sein, schlecht angepasste Gebisse, oder Zahnkronen, Zähneknirschen oder -pressen wirken absteigend auf den Kiefer.

Spezielle Grifftechniken lösen Verspannungen und stellen wieder Beweglichkeit her

Durch manuelle Therapie kann der Osteopath eine Cranio Mandibuläre Dysfunktion direkt und indirekt behandeln. Direkte Grifftechniken können die Beweglichkeit von Kiefer und Kaumuskulatur verbessern. Gezielte Zug-, Druck-, und Streichtechniken führen an anderen Organen zu Entspannungen, die sich indirekt auf die Kieferbeweglichkeit auswirken. Die bestmögliche Entspannung der Kiefergelenke ermöglichen dem Zahnarzt einen Kieferabdruck in Ist- und Sollstellung. Weiterführende Zahnbehandlungen können damit durch einen Zahnarzt oder Kieferchirurgen zusätzliche Verbesserungen bringen. Oft werden Zahnfehlstellungen mit Hilfe einer Myozentrik-Schiene korrigiert.

Cranio Mandibuläre Dysfunktion: Osteopathie stärkt die Selbstheilungskräfte

Ziel einer osteopathischen CMD-Therapie ist nicht allein die Schmerzfreiheit des Patienten. Der ganzheitliche Ansatz möchte die Elastizität und Beweglichkeit des gesamten Körpers wiederherstellen. Denn sie ist Voraussetzung dafür, dass Immunsystem, Blutkreislauf, Sauerstoff- und Nährstoffsystem die Heilung des Körpers wieder selbst übernehmen können. Erfahrene Osteopathen wie der Münchner Therapeut Andreas Zapff verweisen darauf, dass mit einer erfolgreichen Behandlung einer Cranio Mandibulären Dysfunktion oft auch ein Wandel der Lebensgewohnheiten verbunden ist.

Veränderung der Lebensumstände unterstützt oft den Behandlungserfolg

Regelmäßige Bewegung im Alltag, ausgewogene Ernährung, Reduzierung von Stressfaktoren, – dies und vieles mehr hilft, einer Störung von Körperstruktur und -Funktion vorzubeugen. Wie jede osteopathische Behandlung dient auch die CMD-Therapie nur der Wiederherstellung von Gleichgewichten und Beweglichkeit, mit der der gesunde Körper die überwiegende Mehrzahl seiner Herausforderungen selbst bewältigen kann.

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