Die Aderhaut (Choroidea) ist ein wichtiger Bestandteil des Auges und gehört zur mittleren Augenhaut, der sogenannten Uvea. Sie liegt zwischen der weißen Lederhaut (Sklera) und der lichtempfindlichen Netzhaut (Retina). Die Aderhaut ist hoch vaskularisiert, das heißt, sie enthält besonders viele Blutgefäße. Ihre Hauptfunktion besteht darin, die Netzhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen und damit die Funktionsfähigkeit des Auges zu gewährleisten.
Anatomischer Aufbau der Aderhaut
Sie erstreckt sich von der Sehnervenpapille bis zur Ora serrata, dem vorderen Rand der Netzhaut. Sie ist etwa 0,2 bis 0,3 mm dick, wobei ihre Dicke in Richtung der Papille zunimmt. Anatomisch lässt sich die Aderhaut in vier Schichten gliedern:
- Lamina suprachoroidea: Grenzschicht zur Sklera mit lockeren Bindegewebsfasern
- Gefäßschicht (Lamina vasculosa): Enthält größere Blutgefäße
- Kapillarschicht (Lamina choriocapillaris): Feine Kapillaren, die direkt an die Retina angrenzen
- Bruch-Membran (Membrana basalis): Grenze zur Pigmentepithelschicht der Netzhaut
Diese feine Gliederung ermöglicht eine präzise Versorgung der Retina mit Blut und unterstützt gleichzeitig ihre Stoffwechselfunktionen.
Funktion der Aderhaut
Die wichtigste Funktion der Aderhaut ist die Nährstoff- und Sauerstoffversorgung der äußeren Netzhautschichten, insbesondere der lichtempfindlichen Photorezeptoren. Ohne diesen Bestandteil des Auges würde die Retina schnell degenerieren. Daneben erfüllt sie weitere Aufgaben:
- Wärmeregulation: Durchblutung der Choroidea dient als Wärmeabfuhr
- Lichtabsorption: Melanozyten in der Aderhaut verhindern Lichtreflexionen innerhalb des Auges
- Blut-Retina-Schranke: Schutz vor dem Eindringen schädlicher Substanzen aus dem Blut
Erkrankungen der Aderhaut
Verschiedene Erkrankungen können die Aderhaut betreffen und zu ernsthaften Sehproblemen führen. Die häufigsten pathologischen Veränderungen sind:
Choroiditis (Aderhautentzündung)
Eine entzündliche Veränderung der Aderhaut, häufig durch Infektionen (z. B. Toxoplasmose) oder Autoimmunerkrankungen verursacht. Symptome sind Schmerzen, Sehstörungen und Lichtempfindlichkeit.
Aderhautmelanom
Das Aderhautmelanom ist der häufigste maligne intraokulare Tumor im Erwachsenenalter. Es entsteht aus pigmentierten Zellen der Aderhaut und kann unbehandelt zur Erblindung oder Metastasierung führen.
Choroidale Neovaskularisation
Dabei handelt es sich um krankhafte Gefäßneubildungen innerhalb oder unterhalb der Aderhaut, meist im Rahmen der feuchten altersbedingten Makuladegeneration.
Aderhautatrophie
Eine schleichende Degeneration der Aderhaut, oft im Zusammenhang mit systemischen Gefäßerkrankungen. Sie führt zur Unterversorgung der Netzhaut und in der Folge zu Visusverlust.
Diagnostik und Bildgebung
Zur Untersuchung der Aderhaut kommen verschiedene bildgebende Verfahren zum Einsatz. Besonders verbreitet sind:
- Fluoreszenzangiographie: Darstellung der Aderhautgefäße mit fluoreszierendem Farbstoff
- Optische Kohärenztomographie (OCT): Schnittbildgebung zur Beurteilung der Aderhautdicke
- Indozyaningrün-Angiographie: Speziell zur Beurteilung tiefer liegender Gefäße geeignet
Diese Verfahren liefern präzise Informationen über Strukturveränderungen und pathologische Prozesse dieser anatomischen Struktur.
Bedeutung der Aderhaut für die Sehfunktion
Die Aderhaut spielt eine zentrale Rolle für die Funktion der Retina. Eine Störung in diesem Bereich hat unmittelbare Auswirkungen auf das Sehvermögen.
Folgende Aspekte machen diese Haut funktionell besonders bedeutsam:
- Kontinuierliche Versorgung der lichtempfindlichen Zellen
- Vermeidung von Lichtstreuung durch Pigmentierung
- Beitrag zur Immunabwehr und Abgrenzung von Krankheitserregern
Die Erhaltung der Aderhautgesundheit ist somit essentiell für ein stabiles und leistungsfähiges Sehvermögen.
Prävention und Therapie
Zur Vorbeugung von Erkrankungen der Aderhaut gehört die regelmäßige augenärztliche Kontrolle, insbesondere bei Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck.
Therapeutisch kommen je nach Krankheitsbild folgende Ansätze zum Einsatz:
- Antibiotika und Kortikosteroide bei Entzündungen
- Laserbehandlungen bei Neovaskularisationen
- Chirurgische Eingriffe oder Bestrahlung bei Tumoren
- Intravitreale Injektionen bei altersbedingter Makuladegeneration
Ein frühzeitiger Therapiebeginn verbessert meist die Prognose deutlich.
Quellen
- Schiebler, M., Kretzschmann, H. (2007). Anatomie. Springer-Lehrbuch. Berlin, Heidelberg: Springer.
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- Klink, T., Neubauer, A.S. (2013). Bildgebende Verfahren in der Augenheilkunde. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.