Der medizinische Begriff adipös bezeichnet einen Zustand krankhaften Übergewichts, der über das normale Maß hinausgeht und mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Die Adipositas, wie das Krankheitsbild fachlich korrekt heißt, stellt weltweit eine zunehmende Herausforderung für das Gesundheitswesen dar. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich die Häufigkeit von Fettleibigkeit in den letzten Jahrzehnten mehr als verdreifacht. Adipös zu sein, bedeutet nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern hat tiefgreifende medizinische, psychologische und gesellschaftliche Folgen.

Was bedeutet „adipös“ genau?

Der Begriff „adipös“ leitet sich vom lateinischen Wort adeps ab, was Fett bedeutet. In der medizinischen Klassifikation spricht man von Adipositas, wenn der Body-Mass-Index (BMI) über 30 kg/m² liegt. Dabei wird in drei Schweregrade unterschieden:

  • Grad I: BMI 30–34,9
  • Grad II: BMI 35–39,9
  • Grad III (Adipositas permagna): BMI ≥ 40

Diese Einteilung ist für die Risikoabschätzung wichtig, da mit zunehmendem BMI auch die Wahrscheinlichkeit für Folgeerkrankungen steigt.

Adipös: Das sind die Ursachen

Menschen, die adipös sind, leiden häufig unter einem multifaktoriell bedingten Zustand. Es spielen verschiedene Ursachen eine Rolle, darunter:

  • Übermäßige Kalorienzufuhr bei gleichzeitig geringem Energieverbrauch
  • Genetische Prädisposition
  • Hormonelle Störungen (z. B. Schilddrüsenunterfunktion, Cushing-Syndrom)
  • Psychologische Faktoren wie Stress, Depressionen oder Essstörungen
  • Bewegungsmangel und sitzende Lebensweise
  • Medikamentöse Nebenwirkungen (z. B. Kortikosteroide, Antidepressiva)

Nicht jeder Mensch mit Übergewicht ist automatisch adipös, doch eine dauerhafte, deutlich über dem Normalwert liegende Fettmasse bringt den Körper aus dem Gleichgewicht.

Gesundheitliche Folgen bei adipösen Menschen

Adipös zu sein hat weitreichende gesundheitliche Konsequenzen. Die Fettzellen sind nicht nur Energiespeicher, sondern aktive hormonelle Organe, die Entzündungsreaktionen und Stoffwechselprozesse beeinflussen. Bei anhaltender Adipositas steigt das Risiko für zahlreiche Erkrankungen:

  • Typ-2-Diabetes mellitus
  • Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Koronare Herzkrankheiten
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Gelenkverschleiß (Arthrose)
  • Schlafapnoe
  • Erhöhtes Krebsrisiko (u. a. Brust, Darm, Gebärmutter)

Insbesondere das viszerale Fettgewebe im Bauchraum steht im Zusammenhang mit kardiovaskulären Komplikationen.

Diagnostik: Wann ist man adipös?

Die Diagnose basiert vor allem auf der BMI-Berechnung. Ergänzend werden auch die Fettverteilung (Taillen-Hüft-Verhältnis) sowie Blutwerte, Blutdruck, Leber- und Nierenfunktion beurteilt. Eine umfassende Diagnostik ist wichtig, um Begleiterkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Behandlungsmöglichkeiten bei Adipositas

Ein adipöser Zustand lässt sich nicht durch kurzfristige Diäten beheben. Die Therapie erfordert ein nachhaltiges, individuelles Konzept. Ziel ist eine langfristige Gewichtsreduktion und die Stabilisierung eines gesunden Lebensstils.

Die wichtigsten Bausteine der Therapie:

  • Ernährungsumstellung: Kalorienreduktion, ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung
  • Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität, mindestens 150 Minuten pro Woche
  • Verhaltenstherapie: Identifikation und Veränderung ungesunder Essmuster
  • Medikamentöse Therapie: In bestimmten Fällen unter ärztlicher Aufsicht
  • Chirurgische Maßnahmen: Bei extremer Adipositas, z. B. Magenbypass oder Schlauchmagen

Wichtig ist, dass jede Behandlung individuell abgestimmt wird. Auch psychosoziale Unterstützung spielt eine bedeutende Rolle, da viele adipöse Menschen mit Stigmatisierung und seelischem Stress konfrontiert sind.

Prävention: Wie lässt sich Adipositas vermeiden?

Vorbeugen ist besser als heilen – das gilt besonders im Hinblick auf Adipositas. Schon im Kindesalter kann durch Bewegung, gesunde Ernährung und ein positives Essverhalten das Risiko gesenkt werden. Auch gesellschaftlich sind Aufklärung und strukturelle Maßnahmen wie gesundes Schulessen und bewegungsfördernde Stadtplanung wichtige Faktoren.

Quellen

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  • Mutschler U, Gehlen J, Schumacher U. Anatomie: Kurzlehrbuch. 3. Aufl. München: Urban & Fischer; 2018.
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