Der Begriff Akoasma beschreibt eine spezielle Form der akustischen Halluzination, bei der Betroffene Geräusche wahrnehmen, ohne dass eine äußere Schallquelle existiert. Im Gegensatz zu Stimmenhören, wie es beispielsweise bei psychotischen Störungen auftreten kann, handelt es sich bei einem Akoasma meist um neutrale oder nichtsprachliche Geräusche. Dazu zählen unter anderem Rauschen, Summen, Brummen oder Dröhnen. Die Erscheinungsform kann sowohl kurzfristig als auch chronisch auftreten und ist nicht zwangsläufig krankhaft, kann jedoch Hinweis auf eine zugrunde liegende organische oder psychische Störung sein.
Akoasma: Definition und Abgrenzung
Ein Akoasma ist eine Sinnestäuschung des auditorischen Systems, bei der reale akustische Reize fehlen. Anders als bei Tinnitus, bei dem es sich um eine meist gleichförmige Innenohrwahrnehmung handelt, entsteht ein Akoasma zentral im Gehirn – häufig im auditorischen Kortex.
Unterschiede zu ähnlichen Phänomenen:
- Tinnitus: meist gleichbleibendes Piepen oder Rauschen, primär otologische Ursache
- Auditorische Halluzinationen bei Psychosen: häufig Stimmen oder sprachliche Inhalte, oft emotional eingefärbt
- Akoasma: nichtsprachliche Geräusche, meist ohne affektive Bedeutung
Ursachen eines Akoasmas
Die Entstehung eines Akoasmas kann unterschiedliche Ursachen haben. Es gibt sowohl organische als auch psychogene Auslöser. Dabei handelt es sich häufig um eine Kombination aus neurologischen und psychologischen Faktoren.
Mögliche Ursachen im Überblick:
- Neurologische Erkrankungen wie Epilepsie, Migräne mit Aura oder zerebrale Läsionen
- Psychiatrische Störungen, etwa bei Angststörungen oder im Rahmen posttraumatischer Belastungsreaktionen
- Sensorische Deprivation, z. B. durch langanhaltende Stille oder Isolation
- Medikamentennebenwirkungen (z. B. bei Psychopharmaka)
- Schlafentzug oder extreme Erschöpfung
Akoasma: Symptome und Wahrnehmungsformen
Ein Akoasma äußert sich typischerweise durch plötzlich einsetzende Geräusche, die weder durch Umwelteinflüsse noch durch physikalisch messbare Schallquellen erklärbar sind. Die Geräusche können von kurzer Dauer sein oder über Minuten bis Stunden anhalten. Betroffene berichten unter anderem über:
- dumpfes Dröhnen
- hochfrequentes Summen
- pulsierendes Rauschen
- metallisches Klirren
Die Wahrnehmung bleibt oft auf das Innenohrgefühl beschränkt, wirkt aber sehr real. Ein Akoasma kann einzeln oder wiederholt auftreten, gelegentlich auch mit begleitenden vegetativen Symptomen wie Unruhe oder Schwindel.
Diagnostik und Differenzialdiagnosen
Eine umfassende ärztliche Untersuchung ist essenziell, um ein Akoasma von anderen auditiven Phänomenen abzugrenzen. Die Diagnostik umfasst unter anderem:
- HNO-ärztliche Abklärung (Ausschluss von Tinnitus oder Ohrenschäden)
- Neurologische Untersuchung inklusive EEG oder MRT
- Psychiatrisch-psychologische Evaluation bei Verdacht auf psychogene Auslöser
Besonders wichtig ist die Differenzierung zu wahnhaften Halluzinationen oder funktionellen Hörstörungen.
Akoasma: Therapie und Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Ein isoliertes Akoasma ohne Krankheitswert benötigt oft keine Therapie. Bei wiederholtem Auftreten oder starkem Leidensdruck können jedoch folgende Maßnahmen sinnvoll sein:
- Kognitive Verhaltenstherapie, besonders bei psychischen Auslösern
- Medikamentöse Behandlung bei neurologischen oder psychiatrischen Erkrankungen
- Entspannungstechniken zur Reduktion von Stress und innerer Anspannung
- Auditive Stimulation oder Geräuschtherapie zur Reizmodulation
Der Verlauf ist in vielen Fällen günstig, insbesondere wenn die Ursache behandelt werden kann.
Quellen
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