Die Akupunktur ist eine zentrale Therapieform der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), bei der dünne Nadeln an exakt definierten Punkten in die Haut gestochen werden. Ihr Ziel ist es, den Energiefluss im Körper zu harmonisieren und so körperliche sowie psychische Beschwerden zu lindern. Inzwischen ist Akupunktur auch in der westlichen Medizin anerkannt und Bestandteil zahlreicher Leitlinien.

Ursprung und Theorie der Akupunktur

Akupunktur hat ihren Ursprung in der traditionellen chinesischen Medizin, die seit über 2.000 Jahren praktiziert wird. Sie basiert auf der Vorstellung einer Lebensenergie, dem Qi, das entlang von Energiebahnen, den sogenannten Meridianen, durch den Körper fließt. Störungen im Fluss dieses Qi werden für Krankheiten und Beschwerden verantwortlich gemacht.

Die Meridiane sind nach der TCM mit inneren Organen verbunden. Es gibt zwölf Hauptmeridiane, die jeweils einem Organ wie Leber, Herz oder Lunge zugeordnet sind. Entlang dieser Bahnen liegen rund 360 klassische Akupunkturpunkte. Durch gezielte Nadelstiche an diesen Punkten sollen Blockaden gelöst und die körpereigene Selbstregulation aktiviert werden.

Wie funktioniert Akupunktur?

Aus westlich-medizinischer Sicht lässt sich die Wirkung der Akupunktur teilweise durch neurophysiologische Mechanismen erklären. Das Einstechen der Nadeln beeinflusst:

  • die Freisetzung von Botenstoffen wie Endorphinen und Serotonin
  • die Aktivität von Schmerzrezeptoren im Rückenmark und Gehirn
  • die Durchblutung von Gewebe und Organen
  • die Regulation des vegetativen Nervensystems

Dadurch kann Akupunktur schmerzlindernd, muskelentspannend und stimmungsaufhellend wirken. Wichtig ist, dass die Therapie von qualifizierten Therapeuten durchgeführt wird – idealerweise mit medizinischer Zusatzausbildung in Akupunktur.

Anwendungsgebiete der Akupunktur

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) listet mehr als 40 Erkrankungen, bei denen Akupunktur unterstützend eingesetzt werden kann. Besonders gute Evidenz besteht bei:

  • chronischen Schmerzen (z. B. Rückenschmerzen, Kniearthrose, Migräne)
  • Spannungskopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen (z. B. in der Chemotherapie oder Schwangerschaft)
  • Allergien wie Heuschnupfen
  • Menstruationsbeschwerden

Auch bei psychosomatischen Erkrankungen wie Schlafstörungen oder Angstzuständen wird Akupunktur ergänzend eingesetzt. In der Suchttherapie – etwa bei Nikotin- oder Alkoholsucht – kann sie ebenfalls Bestandteil eines multimodalen Therapieplans sein.

Der Ablauf einer Akupunktursitzung

Nach einer ausführlichen Anamnese – die in der TCM meist auch eine Puls- und Zungendiagnostik umfasst – werden individuell passende Punkte ausgewählt. In einer typischen Sitzung:

  1. werden 5 bis 20 sterile Einwegnadeln gesetzt
  2. verbleiben diese etwa 20–30 Minuten im Körper
  3. wird oft eine begleitende Ruhephase eingeplant

Manche Patienten berichten bereits nach wenigen Sitzungen von einer Besserung der Beschwerden. Bei chronischen Erkrankungen sind meist mehrere Behandlungen notwendig.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Akupunktur gilt bei fachgerechter Anwendung als sehr nebenwirkungsarm. Leichte Blutergüsse oder kurzfristige Kreislaufreaktionen können auftreten, sind jedoch meist harmlos.

Vorsicht ist geboten bei:

  • ausgeprägten Blutgerinnungsstörungen
  • akuten Hautinfektionen im Behandlungsareal
  • Schwangerschaft (bestimmte Punkte sind kontraindiziert)

Eine sorgfältige Indikationsstellung ist daher unerlässlich.

Wissenschaftliche Evidenz zur Akupunktur

Die Studienlage zur Akupunktur ist mittlerweile umfangreich. Meta-Analysen zeigen, dass insbesondere bei chronischen Schmerzsyndromen eine signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo oder konventioneller Therapie besteht. Auch bildgebende Verfahren (z. B. fMRT) belegen physiologische Veränderungen im Gehirn unter Akupunktur.

Trotzdem bleibt die Interpretation der Studienlage komplex. Ein Teil der Wirksamkeit lässt sich möglicherweise auf unspezifische Effekte wie die therapeutische Zuwendung zurückführen. Der hohe Stellenwert in der Schmerzmedizin sowie die Einbindung in Leitlinien (z. B. bei chronischem Rückenschmerz) sprechen jedoch für einen nachweisbaren Nutzen.

Quellen

  • Vickers AJ, Vertosick EA, Lewith G, et al. Acupuncture for chronic pain: Update of an individual patient data meta-analysis. J Pain. 2018;19(5):455–474.
  • White A, Cummings TM, Filshie J. Medical Acupuncture: A Western Scientific Approach. Elsevier Health Sciences; 2008.
  • Linde K, Allais G, Brinkhaus B, et al. Acupuncture for the prevention of episodic migraine. Cochrane Database Syst Rev. 2016;(6):CD001218.
  • MacPherson H, Vertosick EA, Foster NE, et al. The persistence of the effects of acupuncture after a course of treatment: A meta-analysis. Pain. 2017;158(5):784–793.
  • WHO. Acupuncture: Review and analysis of reports on controlled clinical trials. Geneva: World Health Organization; 2003.