Chirurgisches Entfernen von Gliedmaßen: Ursachen, Ablauf und Folgen

Eine Amputation bezeichnet das teilweise oder vollständige chirurgische Abtrennen einer Gliedmaße wie Arm, Hand, Finger, Bein oder Fuß. Dieser Eingriff ist meist medizinisch notwendig und stellt für die Betroffenen eine erhebliche körperliche und psychische Belastung dar. Moderne chirurgische Verfahren, gezielte Schmerztherapie und frühzeitige Rehabilitation ermöglichen es jedoch vielen Patienten, trotz Amputation aktiv am Alltag teilzunehmen und Lebensqualität zurückzugewinnen.

Ursachen einer Amputation

Amputationen werden in der Regel aus medizinischen Gründen durchgeführt. Häufige Ursachen sind:

  • Durchblutungsstörungen: Bei Diabetes mellitus oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit kann Gewebe so stark geschädigt werden, dass es abstirbt.
  • Traumatische Verletzungen: Schwere Unfälle, insbesondere bei Verkehrsunfällen oder Arbeitsunfällen, bei denen eine Wiederherstellung des Gewebes unmöglich ist.
  • Infektionen: Ausgedehnte bakterielle oder nekrotisierende Infektionen, die nicht medikamentös behandelbar sind.
  • Tumorerkrankungen: Bösartige Tumore von Knochen oder Weichteilen, bei denen eine konservative Therapie nicht ausreicht.

Die Entscheidung für eine Amputation erfolgt nach sorgfältiger Abwägung aller Risiken und Alternativen.

Arten der Amputation

Die Art der Amputation hängt von Ursache, Ausmaß der Schädigung und Durchblutung des Gewebes ab:

  • Major-Amputation: Abtrennung oberhalb des Hand- oder Fußgelenks, z. B. Ober- oder Unterschenkelamputation.
  • Minor-Amputation: Entfernung kleinerer Gliedmaßenanteile, wie Finger oder Zehen.

Die genaue Wahl der Amputationshöhe ist entscheidend für die spätere Mobilität und Prothesenversorgung.

Ablauf des Eingriffs

Vor der Operation erfolgt eine umfassende Diagnostik, einschließlich bildgebender Verfahren und Laboruntersuchungen. Ziel ist es, die Amputationshöhe exakt zu bestimmen und einen Stumpf zu schaffen, der Prothesen optimal aufnehmen kann. Während der Operation werden Nervenenden fachgerecht behandelt, um Phantomschmerzen zu reduzieren, und die Muskulatur so angepasst, dass der Stumpf stabil ist.

Mögliche Komplikationen

Wie bei jeder Operation bestehen Risiken, darunter:

  • Wundheilungsstörungen oder Infektionen
  • Phantomschmerzen, die im Nervensystem entstehen und teilweise langanhaltend sein können
  • Probleme mit dem Stumpf, z. B. Druckstellen, Narben oder Schwellungen, die die Prothesenversorgung erschweren

Eine enge postoperative Betreuung ist entscheidend, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Rehabilitation und Prothesenversorgung

Die Rehabilitation beginnt frühzeitig nach der Amputation und umfasst mehrere Bereiche:

  • Physiotherapie: Training zur Verbesserung von Kraft, Gleichgewicht und Mobilität.
  • Stumpfpflege und -training: Übungen, um die Haut zu stärken, Druckstellen zu vermeiden und die Prothese optimal anpassen zu können.
  • Ergotherapie: Unterstützung bei Alltagsaktivitäten, z. B. Ankleiden, Kochen oder Schreiben.
  • Sportliche Aktivitäten: Spezielles Training für Laufen, Radfahren oder Schwimmen kann die Beweglichkeit und Ausdauer erhöhen.
  • Psychologische Betreuung: Begleitung bei der Anpassung an die neue Lebenssituation, Umgang mit Phantomschmerzen, Motivation und soziale Integration.

Moderne Prothesen

Heutige Prothesen sind hochfunktional:

  • Mechanische Prothesen: Unterstützen Bewegungen durch Hebel oder Federsysteme.
  • Myoelektrische Prothesen: Werden über Muskelspannungen gesteuert und ermöglichen präzisere Bewegungen.
  • Sport- und Aktivprothesen: Speziell für körperliche Aktivitäten angepasst, z. B. Laufen oder Radfahren.

Die Auswahl der Prothese hängt vom individuellen Bedarf, der körperlichen Verfassung und den Alltagsanforderungen ab.

Historischer und medizinischer Kontext

Amputationen werden seit Jahrhunderten durchgeführt. Früher waren sie oft lebensrettend, aber mit hohen Komplikationsraten verbunden. Mit der Entwicklung moderner Anästhesie, antiseptischer Techniken und gezielter Rehabilitation haben sich Überlebens- und Funktionsraten deutlich verbessert. In Deutschland werden jährlich mehrere Tausend Amputationen durchgeführt, überwiegend aufgrund von Durchblutungsstörungen oder Diabetes-bedingten Komplikationen.

Prognose und Lebensqualität

Trotz Amputation können viele Patienten ein aktives, selbstständiges Leben führen. Frühzeitige Rehabilitation, moderne Prothesen und interdisziplinäre Betreuung steigern die Lebensqualität erheblich. Patienten profitieren von gezieltem Training, psychologischer Unterstützung und der Möglichkeit, auch sportlich aktiv zu sein.

Quellen

  • Sabiston Textbook of Surgery. 21st ed. Philadelphia: Elsevier; 2021.
  • Tintinalli JE, Stapczynski JS. Emergency Medicine: A Comprehensive Study Guide. 9th ed. New York: McGraw-Hill; 2020.
  • Dougherty PJ, McFarland LV, Smith DG, Esquenazi A, Blake DJ, Reiber GE. „Multiple traumatic limb loss: a comparison of Vietnam veterans to OIF/OEF servicemembers.“ J Rehabil Res Dev. 2010;47(4):333–348.