Akanthose ist ein dermatologisches Zeichen, das auf eine verdickte und häufig dunkel verfärbte Epidermis hinweist. Besonders betroffen ist die sogenannte Stachelzellschicht (Stratum spinosum) der Oberhaut. Diese Veränderung wird durch eine vermehrte Zellteilung der Keratinozyten ausgelöst. Obwohl Akanthose in der Regel keine Schmerzen verursacht, ist sie ein wichtiges Warnsignal für mögliche Grunderkrankungen, insbesondere metabolische oder endokrinologische Störungen.
Die Haut zeigt sich dabei nicht nur verdickt, sondern oft auch samtartig, warzenartig oder hyperpigmentiert. Die Läsionen sind klar abgegrenzt und nehmen mitunter eine schmutzig-braune Farbe an.
Was ist Akanthose genau?
Akanthose ist ein histopathologischer Befund, der häufig bei unterschiedlichen Hauterkrankungen oder systemischen Leiden auftritt. Es handelt sich nicht um eine eigenständige Krankheit, sondern um ein morphologisches Hautphänomen. Die sogenannte Acanthosis nigricans stellt eine besondere klinische Ausprägung dar, bei der neben der Verdickung auch eine dunkle Verfärbung und samtartige Oberfläche typisch sind.
In der Regel ist Akanthose asymptomatisch, jedoch empfinden viele Patienten die Veränderungen als kosmetisch störend. In seltenen Fällen können Juckreiz oder ein unangenehmer Geruch hinzukommen.
Ursachen der Akanthose
Die Ursachen für Akanthose sind vielfältig und reichen von harmlosen hormonellen Veränderungen bis hin zu schwerwiegenden malignen Erkrankungen.
Häufige Ursachen im Überblick:
- Metabolische Störungen, insbesondere Insulinresistenz und Adipositas
- Endokrine Erkrankungen wie Hypothyreose, Cushing-Syndrom oder Akromegalie
- Genetische Faktoren, z. B. bei familiärer Akanthose
- Medikamentöse Auslöser, z. B. Nikotinsäure, Kortikosteroide, Antikonvulsiva
- Paraneoplastische Akanthose bei inneren Tumoren, insbesondere Magenkarzinom
Gerade bei der malignen Form der Akanthose handelt es sich oft um ein paraneoplastisches Phänomen, das bereits in einem sehr frühen Stadium auf eine Tumorerkrankung hinweisen kann – manchmal Monate vor der eigentlichen Tumordiagnose.
Lokale Manifestationen der Akanthose
Akanthose tritt vor allem in Körperregionen auf, in denen Hautfalten bestehen oder Reibung auftritt. Die häufigsten Areale sind:
- Nackenbereich
- Achselhöhlen
- Leisten
- Ellenbeugen
- Kniekehlen
- Perianalregion
In seltenen Fällen kann Akanthose auch im Gesicht oder an den Handrücken vorkommen. Eine großflächige Ausbreitung ist besonders bei malignen Formen zu beobachten.
Diagnostik bei Akanthose
Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt. Aufgrund der möglichen systemischen Ursachen ist jedoch eine differenzierte Abklärung erforderlich.
Typische diagnostische Schritte umfassen:
- Eine ausführliche Anamnese (inkl. Medikamenten und Familienanamnese)
- Körperliche Untersuchung mit Fokus auf Hautveränderungen
- Labordiagnostik (z. B. Blutzucker, HbA1c, Schilddrüsenwerte, Hormonprofil)
- Hautbiopsie bei unklarer oder schnell progredienter Läsion
Gerade bei älteren Patienten mit plötzlich auftretender Akanthose ohne bekannte Stoffwechselerkrankung ist ein onkologisches Screening ratsam.
Behandlungsmöglichkeiten der Akanthose
Eine kausale Therapie ist nur durch Behandlung der Grunderkrankung möglich. Die Hautveränderungen können durch symptomatische Maßnahmen unterstützt werden, verschwinden aber nur dann dauerhaft, wenn die Ursache beseitigt ist.
Beispiel: Bei Adipositas oder Insulinresistenz kann bereits eine moderate Gewichtsabnahme zu einer deutlichen Rückbildung der Hautveränderungen führen.
Symptomatische Behandlungsmöglichkeiten (zweite Bulletpoint-Liste):
- Keratolytische Cremes (z. B. mit Salicylsäure oder Urea)
- Topische Retinoide zur Hautregeneration
- Chemische Peelings bei kosmetischem Leidensdruck
- Laserbehandlung bei therapieresistenter Hyperkeratose
Bei malignen Formen ist eine konsequente Tumortherapie entscheidend. Häufig bildet sich die Akanthose nach erfolgreicher Tumorresektion spontan zurück.
Verlauf und Prognose
Die Prognose hängt stark von der jeweiligen Ursache ab. Gutartige Akanthoseformen, insbesondere solche im Zusammenhang mit Übergewicht oder endokrinen Störungen, haben eine gute Prognose, wenn die Grunderkrankung behandelt wird.
Bei der malignen Akanthose ist die Hautveränderung oft ein Vorbote einer Krebserkrankung. In diesen Fällen ist die Prognose von der Entdeckungs- und Behandlungszeit des Tumors abhängig.
Akanthose ist somit nicht nur ein dermatologisches Problem, sondern ein bedeutender systemischer Marker, dem klinisch große Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.
Quellen
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