Ausbleiben der Menstruation: Ursachen, Diagnose und Behandlung verstehen

Amenorrhoe bezeichnet das vollständige Ausbleiben der Menstruation bei Frauen im geschlechtsreifen Alter. Sie ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptom, das auf unterschiedliche physiologische oder pathologische Ursachen hinweisen kann. Ein fundiertes Verständnis der Amenorrhoe ist entscheidend, da sie nicht nur die Fruchtbarkeit beeinflussen kann, sondern auch Hinweise auf ernsthafte gesundheitliche Probleme liefert.

Formen der Amenorrhoe

Natürliche Amenorrhoe

Natürliche Amenorrhoe tritt in Lebensphasen auf, in denen eine Menstruation physiologisch nicht erwartet wird. Dazu zählen:

  • Vor der Menarche, also vor der ersten Regelblutung.
  • Während der Schwangerschaft und dem nachfolgenden Wochenbett.
  • In der Stillzeit, bei etwa 80 % der Frauen in den ersten Monaten nach der Geburt.
  • In der Menopause, wenn die Eierstockfunktion dauerhaft nachlässt.

Primäre Amenorrhoe

Die primäre Form liegt vor, wenn eine Frau im Alter von 15 Jahren oder älter noch keine Menstruation hatte, obwohl eine normale körperliche Entwicklung stattgefunden hat. Ursachen können sein:

  • Organische Fehlbildungen der Geschlechtsorgane
  • Erkrankungen der Hypophyse oder des Hypothalamus
  • Hormonelle Störungen, die die normale Eireifung verhindern

Primäre Amenorrhoe ist häufig komplex in der Abklärung und Therapie, da mehrere Systeme beteiligt sein können.

Sekundäre Amenorrhoe

Sekundäre Amenorrhoe bezeichnet das Ausbleiben der Menstruation über mindestens drei Zyklen bei Frauen, die zuvor regelmäßig menstruierten. Typische Ursachen sind:

  • Störungen der Eierstockfunktion, zum Beispiel durch das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS)
  • Schwere Allgemeinerkrankungen oder langanhaltender Stress
  • Medikamente, die den Hormonhaushalt beeinflussen

Diagnostik der Amenorrhoe

Die Abklärung erfolgt schrittweise, beginnend mit einer ausführlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung. Essenziell sind Labor- und Bildgebungstests:

  • Hormonanalysen: FSH, LH, Estradiol, Prolaktin und Schilddrüsenwerte
  • Ultraschall der Eierstöcke und Endometrium
  • MRT bei Verdacht auf Hypophysenstörungen
  • Funktionstests zur Abklärung der Hypothalamus-Hypophysen-Achse

Eine frühzeitige Diagnostik ist wichtig, um mögliche Komplikationen wie Osteoporose oder Unfruchtbarkeit zu verhindern.

Therapieansätze bei Amenorrhoe

Die Behandlung hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab.

  • Hormontherapie: Östrogen- oder Gestagenpräparate können den Zyklus wiederherstellen
  • Chirurgische Interventionen: bei Fehlbildungen oder Tumoren
  • Lebensstilmaßnahmen: Gewichtsmanagement, Stressreduktion, Anpassung von intensivem Sport

Prävention und Selbstmanagement

  • Regelmäßige gynäkologische Kontrolluntersuchungen bei Zyklusstörungen
  • Ausgewogene Ernährung und moderater Sport
  • Stressabbau, Schlafhygiene und Vermeidung extremer Diäten

Quellen

  • Speroff L, Fritz MA. Clinical Gynecologic Endocrinology and Infertility. 9th ed. Philadelphia: Lippincott Williams & Wilkins; 2011.
  • Fauser BC, et al. “Primary and secondary amenorrhea: an evidence-based approach.” Hum Reprod Update. 2019;25(2):197–213.
  • Nelson LM. “Primary ovarian insufficiency.” N Engl J Med. 2009;360:606–614.
  • Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine. “Evaluation and treatment of amenorrhea.” Fertil Steril. 2020;113(6):1257–1268.
  • Munro MG, et al. “Diagnosis and management of amenorrhea.” Obstet Gynecol. 2018;131:1–15.