Lumbalpunktion

aus: Medizin-Lexikon.de

Allgemeines

Unter der Lumbalpunktion ist ein Verfahren aus dem Fachbereich der Neurologie zu verstehen, bei dem es um die Gewinnung von Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, dem Liquor cerebospinalis (Liquor), durch Einstich mit einer Hohlnadel in den Wirbelkanal im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule geht. Dem gleichen Zweck dient die im Nackenbereich vorzunehmende Subokzipitalpunktion.

Verwendung

Diagnostik

Die Lumbalpunktion soll folgende Fakten bezüglich des Liquors untersuchen:

  • erhöhter Proteingehalt im Liquor
  • vermehrt Immunglobuline im Liquor
  • farbliche Veränderungen des Liquors
  • Analyse von evtl. im Liquor vorkommenden Zellen
  • Messung des Gehaltes an Glukose

Therapie

  • Entnahme von Liquor zur Senkung des Hirndrucks
  • Injektion von Wirkstoffen in das Nervenwasser (Antibiotika, Zytostatika)

Anwendungsgebiete

Indikationen sind sämtliche Erkrankungen des Zentralnervensystems und des peripheren Nervensystems:

Durchführung

Der Untersucher sticht mit einer Hohlnadel im Bereich der Lendenwirbelsäule in einen Zwischenraum der Wirbelkörper und entnimmt Liquor. Der medizinische Fachausdruck für die Lendenregion lautet Regio lumbalis. Letzteres war namensgebend für die Lumbalpunktion. Der Patient nimmt während der gesamten Untersuchung eine kauernde Stellung ein, da sich so die Wirbel etwas auseinander bewegen und die Entnahme leichter vonstatten geht. Da das Rückenmark nicht bis in das für die Untersuchung relevante Areal hinabzieht, sind Verletzungen mit neurologischen Schäden praktisch ausgeschlossen.

Risiken

  • Schmerzen an der Einstichstelle
  • Kopfschmerzen

Bei Patienten mit erhöhtem Hirndruck, Blutgerinnungsstörungen oder Infektionen ist von einer Lumbalpunktion abzusehen.

Untersuchungsergebnisse

Das entnommene Liquor wird im Rahmen einer laboratoriumsmedizinischen Untersuchung analysiert. Folgende Ergebnisse können dabei festgestellt werden:

  • Zellen im Liquor: Unter normalen Umständen befinden sich im Liquor nur wenige Zellen. Ist die Zellzahl erhöht, deutet dies auf eine Infektion (z. B. Meningitis) hin. Die Analyse des Zellmaterials kann den genauen Typ der Infektion bestimmen. Weiterhin können Krebszellen eines Hirntumors oder einer Metastase gefunden werden.
  • Proteine im Liquor: Evtl. vermehrte Eiweißproduktion im Rahmen einer Infektion. Weiterhin führen Blutungen in das Liquor zu einem vermehrten Anfall an Eiweißen. Liegt eine Erhöhung von Albumin vor, ist von einer Schädigung der Blut-Liquor-Schranke (z. B. durch einen Tumor) auszugehen.
  • Immunglobuline im Liquor: Anzeichen für ins Liquor eingewanderte Immunzellen im Rahmen einer Infektion oder für eine Störung der Blut-Liquor-Schranke.
  • Veränderung der Liquorfarbe: Im Normalfall ist das Nervenwasser völlig klar. Liegt eine leicht rosafarbene Färbung vor, ist dies Hinweis auf rote Blutkörperchen durch eine Einblutung. Liegen zahlreiche Leukozyten vor, ist das Liquor weißlich gefärbt. Im Rahmen einer eitrigen Meningitis liegt eine Gelbfärbung vor.
  • Glukose im Liquor: Beim gesunden Menschen ist der Gehalt an Glukose im Liquor etwa halb so hoch wie der Blutzucker. Liegt der Wert darunter, liegt höchstwahrscheinlich eine Entzündung vor. Ein erhöhter Glukosewert im Nervenwasser ist Zeichen für eine Beschädigung der Blut-Liquor-Schranke.