“Abk. für: englisch: acquired immune deficiency syndrome, “
““erworbenes Immundefektsyndrom“, “
Pathologie
Die Infektion mit dem Human Immunodeficiency Virus (HIV) führt zur Erkrankung AIDS (Acquired Immunodeficiency Syndrome). HIV existiert in zwei Hauptvarianten: HIV-1, der weltweit am häufigsten vorkommt, und HIV-2, der hauptsächlich in Westafrika verbreitet ist und meist einen weniger aggressiven Verlauf zeigt. Das Virus befällt vorrangig CD4-positive T-Helferzellen, eine wichtige Untergruppe der Immunzellen, die für die Koordination der Immunantwort zuständig sind. Hierzu bindet HIV an den CD4-Rezeptor auf der Zelloberfläche und nutzt diesen als Eintrittspforte, um in die Zelle einzudringen und sich zu vermehren. Die fortschreitende Zerstörung dieser Zellen schwächt das Immunsystem, wodurch Betroffene zunehmend anfällig für Infektionen und bestimmte Krebsarten werden.
Übertragung
HIV wird hauptsächlich durch direkten Kontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten übertragen. Dazu zählen Blut, Samenflüssigkeit, Vaginalsekret und Muttermilch. Die Ansteckung erfolgt meist durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, das gemeinsame Benutzen von kontaminierten Injektionsnadeln, die Übertragung von infizierten Blutprodukten oder während der Geburt bzw. beim Stillen von Mutter zu Kind. Speichel, Tränen oder Schweiß gelten als nicht infektiös für HIV. Die Einführung von Bluttests für Blutspenden seit Mitte der 1980er Jahre hat das Risiko einer Ansteckung durch Bluttransfusionen drastisch reduziert.
Symptome und Krankheitsverlauf
Die HIV-Infektion verläuft in mehreren Phasen, die klinisch und immunologisch unterschiedlich sind.
Unmittelbar nach der Ansteckung entwickeln viele Betroffene eine sogenannte akute HIV-Infektion, die oft mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, geschwollenen Lymphknoten, Hautausschlag, Halsschmerzen und allgemeiner Abgeschlagenheit einhergeht. Diese Phase dauert in der Regel einige Wochen und kann leicht übersehen oder mit einer gewöhnlichen Virusinfektion verwechselt werden.
Nach dieser akuten Phase folgt meist eine lange asymptomatische Phase, die mehrere Jahre andauern kann. In diesem Zeitraum fühlt sich der Patient meist gesund, obwohl das Virus im Körper weiter aktiv ist und die CD4-Zellen langsam zerstört. Diese Phase endet, wenn die Immunschwäche fortschreitet.
Im symptomatischen Stadium treten erste Zeichen der Immunschwäche auf. Typische Symptome sind:
- anhaltendes Fieber und Nachtschweiß
- Gewichtsverlust und chronischer Durchfall
- Pilzinfektionen wie Mundsoor oder Hefepilzbefall der Genitalien
- wiederkehrende Gürtelrose (Herpes Zoster)
- orale Haarleukoplakie (weiße Veränderungen der Mundschleimhaut)
- bakterielle Infektionen und Listeriose
Das Vollbild AIDS ist definiert durch eine sehr niedrige CD4-Zellzahl (unter 200 Zellen pro Mikroliter Blut) oder das Auftreten bestimmter opportunistischer Infektionen und Tumorerkrankungen, die sonst bei gesunden Menschen selten sind. Hierzu zählen unter anderem Pneumocystis-Pneumonie, toxoplasmosebedingte Hirnentzündung, das Kaposi-Sarkom sowie Non-Hodgkin-Lymphome. Ohne adäquate Behandlung führt AIDS zum Tod.
Diagnose von AIDS
Die Diagnostik von HIV erfolgt durch den Nachweis von Antikörpern und viralen Proteinen im Blut. Moderne Kombinationsdiagnostiktests erkennen sowohl HIV-Antikörper als auch das p24-Antigen, ein virales Strukturprotein, was eine frühere Detektion der Infektion ermöglicht. Positive Testergebnisse werden durch spezifischere Tests wie Western Blot oder Immunoblot bestätigt, um falsch positive Ergebnisse auszuschließen. Zudem werden molekulare Tests (PCR) eingesetzt, um die Viruslast zu bestimmen und den Therapieerfolg zu kontrollieren.
Wichtig ist die sogenannte Window-Phase, ein Zeitraum von mehreren Wochen nach Infektion, in dem Tests negativ ausfallen können, obwohl eine Infektion bereits besteht. Ein negatives Testergebnis nach Ablauf dieser Phase gilt als sehr zuverlässig.
Therapie
Die antiretrovirale Therapie (ART) hat die Prognose von HIV-Infizierten in den letzten Jahrzehnten revolutioniert. Durch Kombinationen verschiedener Wirkstoffe wird die Virusvermehrung effektiv unterdrückt, die Viruslast im Blut auf nicht nachweisbare Werte reduziert und die Immunfunktion stabilisiert. Damit können Patienten ein nahezu normales Leben führen, und die Übertragung auf andere Personen wird drastisch verringert („undetectable = untransmittable“).
Regelmäßige ärztliche Kontrollen mit Blutuntersuchungen zur Bestimmung der CD4-Zellzahl und Viruslast sind notwendig, um die Therapie anzupassen und mögliche Nebenwirkungen zu überwachen.
AIDS: Prävention
Zur Verhinderung einer HIV-Infektion sind folgende Maßnahmen besonders wichtig:
- konsequenter Gebrauch von Kondomen beim Geschlechtsverkehr
- Vermeidung gemeinsamer Nutzung von Spritzen und Nadeln
- Präexpositionsprophylaxe (PrEP) für Personen mit erhöhtem Risiko
- Postexpositionsprophylaxe (PEP) nach möglichem HIV-Kontakt, möglichst innerhalb von 72 Stunden
- umfassende Testung von Blut- und Organtransplantaten
Geschichte und Verbreitung von AIDS
Das erste Auftreten von AIDS wurde 1981 in den USA beschrieben. Ursprünglich betraf die Krankheit vor allem homosexuelle Männer, Drogengebraucher und Hämophile. Seitdem hat sich HIV weltweit verbreitet. Nach aktuellen Schätzungen der Vereinten Nationen leben etwa 38 Millionen Menschen mit HIV, vor allem in Afrika südlich der Sahara. Dank verbesserter Diagnostik, Therapie und Präventionsmaßnahmen ist die Zahl der AIDS-bedingten Todesfälle seit Anfang des 21. Jahrhunderts deutlich gesunken. Die Krankheit bleibt jedoch eine globale Herausforderung, insbesondere in Regionen mit begrenztem Zugang zu medizinischer Versorgung.
Quellen
- Robert Koch-Institut (2023). HIV/AIDS – Epidemiologischer Steckbrief.
- UNAIDS (2023). Global HIV & AIDS Statistics — Fact Sheet.
- Günthard HF et al. (2022). Antiretroviral Therapy for HIV Infection in Adults: 2022 Recommendations of the International Antiviral Society–USA Panel. JAMA, 327(9), 825–837.
- CDC (Centers for Disease Control and Prevention). Classification System for HIV Infection.
- Deutsche AIDS-Hilfe e.V. – HIV und AIDS: Aktuelle Informationen und Prävention.